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KANINCHEN - Der Mythos vom anspruchslosen Schmusetier

Um es vorweg zu nehmen – das Kaninchen als Haustier kann wundervoll sein, Voraussetzung ist aber, dass man weiß, worauf man sich einlässt. Das Image des anspruchslosen Haustieres ist weitverbreitet aber falsch. Wir vom Kaninchenforum möchten gern aufzeigen, um was für – durchaus – intelligente und verspielte Lebewesen es sich handelt, die mehr verdient haben, als ein einsames Leben im Käfig zu fristen.

Tatsache ist leider, dass viele Kaninchen spontan nach Hause mitgebracht werden. Ein Grundwissen ist meist vorhanden, dies reicht aber bei weitem nicht aus, wenn man dem Tier gerecht werden will. Deswegen sind viele Menschen dann enttäuscht, wenn das neue Familienmitglied – und das sollte jedes Tier sein – so gar nicht den Vorstellungen und Erwartungen entspricht. Hier soll ein realistisches Bild des Kaninchens als Haustier aufgezeigt werden.

Gehen wir davon aus, dass bei Ihnen noch keine Kaninchen wohnen. Um Ihnen Frust und Enttäuschung und den Kaninchen ein tristes Leben im Käfig oder eine Abschiebung ins Tierheim zu ersparen, sollten Sie sich VOR dem Einzug mindestens zweier Kaninchen ein paar Fragen ehrlich beantworten. Auf die Grundbedürfnisse wie sauberer Käfig und Versor- gung mit Wasser und Futter soll hier gar nicht eingegangen werden, diese The- men werden in den üblichen Büchern schon behandelt. Damit Sie und die Kaninchen ein glückliches und zufriedenes gemeinsames Leben führen können darf aber nicht nur eine Grundversorgung stattfinden. Auch für Kaninchen ist Lebensqualität wichtig. Wer glaubt, dass den Kaninchen schon allein damit gedient ist, einen Käfig und Nahrung zur Verfügung gestellt zu bekommen, der irrt. Unter diesen Umständen werden die Hausgenossen nie die ganze Vielfalt ihres so lebendigen und spielerischen Wesens entfalten können, und Ihnen würde dadurch ein großartiges Erlebnis entgehen.

Wenn Sie es zulassen – was Sie UNBEDINGT tun sollten –, dann werden die Kaninchen Ihre Wohnung mit Beschlag belegen. Der Käfig sollte nur als Schlafplatz dienen und zur Sicherheit der Tiere, wenn Sie ausser Haus sind. Hier kommen wir zu einer der wichtigsten Überlegungen:

Wie sehr hängen Sie an ihren Antiquitäten (oder neuen Möbeln), und wie wichtig ist es Ihnen, eine innenarchitektonisch perfekte Wohnung zu haben?

Wenn Sie diese Fragen spontan mit „sehr“ beantwortet haben, dann tun Sie Ihren Möbeln, sich selber und den Kaninchen den grössten Gefallen, wenn Sie den Gedanken an ein „den Nagetieren zugehöriges“ Haustier wieder verwerfen. Gerade das NEIN-Sagen ist in diesem Falle der größte Beweis der Tierliebe.

Kaninchen brauchen soviel Auslauf wie nur irgend möglich. Kaninchen außerhalb des Käfigs wiederum bedeuten Gefahr. Gefahr für Ihre Möbel, Ihre Tapeten, Ihre Stromkabel etc. und Gefahr für sich selber. Nichts ist vor diesen Tieren sicher. Daher bleibt es nicht aus, dass Sie Ihre Wohnung kaninchensicher umgestalten müssen – die Optik leidet in den meisten Fällen, sei es nun durch Tapetenfetzen, die von der Wand hängen, der Couchbezug, der plötzlich ein dekoratives Lochmuster aufweist oder durch die Sicherungsmaßnahmen, z.B. den Spanplatten vor den zu schützenden Wänden, Oma’s selbstgehäkelte Decke als Vorsichtsmassnahme auf dem neuen Sofa, die Plastikschutzhüllen, in denen nun freiliegende elektrische Leitungen verlaufen usw.

Sie sehen das alles sowieso nicht so eng und können sich vorstellen, ruhig und gelassen zu bleiben, wenn Ihre Mitbewohner ohne Ihr Einverständnis „Verschönerungsmaßnahmen“ vornehmen???? Wunderbar!!

Gehen wir einen Gedanken weiter. Die meisten Menschen assoziieren in Verbindung mit Kaninchen als Haustier „niedlich“ und „kuschelig“. Das ideale, lebendig gewordene Schmusetier.

Es wird diesen Lebewesen in keinster Weise gerecht, wenn man meint, alle Kaninchen mit den zwei, drei gleichen Attributen beschreiben zu können. Ihre Persönlichkeiten und Charaktereigenschaften sind genauso unterschiedlich wie bei uns Menschen. Deswegen gibt es genauso den Schmuser wie aber auch den Einzelgänger, den Schüchternen wie den Angriffslustigen, den Zickigen wie den Gelassenen. Wobei natürlich das Eine das Andere nicht ausschliesst. Eines ist aber den meisten gemeinsam – sie möchten nicht gerne hochgehoben werden, und es liegt ihnen auch nicht, den ganzen Tag herumgetragen zu werden. Kaninchen sind also keinesfalls die perfekten Tiere für Kinder. Nicht von ungefähr landen deshalb viele „Osterhasen“ sehr schnell im Tierheim. Sie entsprechen nicht dem Bild, das Eltern und Kinder sich von ihrem vermeintlichen Wunschhaustier gemacht haben, und so ist das Interesse bald nicht mehr vorhanden. Alle Personen eines Haushaltes sollten deshalb in einem Alter sein, in dem sie sich schon der Rechte eines Lebewesens bewusst sind und auch der Verantwortung, die sie nun für die Tiere tragen.

Auch die Tatsache, dass Kaninchen Dämmerungstiere sind und tagsüber hauptsächlich ihre Ruhe möchten, spricht nicht für ein Zusammenleben von Kind und Kaninchen.

Kaninchen werden manchmal auch im Freien gehalten. Man muss aber darauf achten, dass sie dann eine Unterkunft haben, die ihnen ausreichenden Schutz vor schlechter Witterung bietet. Das Gehege sollte ausbruchsicher sein und ihre Tiere vor Gefahren schützen. Kaninchen, die im Freien leben, sollten niemals alleine gehalten werden. Auch muss ihnen klar sein, dass der Kontakt zur Familie meist nicht so intensiv wie bei einer Haltung in der Wohnung sein kann.

Kaninchen können durchaus 8 - 10 Jahre (und älter) werden. Es ist also eine langfristige Verantwortung, die man eingeht. Und man darf nicht vergessen, dass der „Anschaffungspreis“ der geringste materielle Aufwand ist. Vor allem Tierarztkosten müssen auf jeden Fall mit eingeplant werden ( z.B. für Kastration , Schutzimpfungen , Krankheiten ).

Dies sind jetzt nur ein paar Gedanken, die man sich unbedingt noch zusätzlich machen sollte, bevor man sich entschließt, mit Kaninchen zusammenzuleben. Es gibt noch so vieles mehr über Kaninchen zu erfahren. Lesen Sie deshalb weitere Artikel (Stubenreinheit, Training , Spielzeug – um ein paar Themen herauszugreifen ) im FAQ-Forum und bei der HRS.

All diese Artikel sind vor allem auch dann sehr interessant, wenn schon Kaninchen bei Ihnen wohnen. Sie werden sicher einiges über ihren haarigen Mitbewohner zusätzlich erfahren und werden lernen, ihn besser zu verstehen und auf ihn einzugehen, was dem Zusammenleben für alle Beteiligten nur von Nutzen sein kann.

Denken Sie auch bitte darüber nach, Kaninchen aus dem Tierheim eine zweite Chance zu geben. Jetzt, wo Sie so gut darauf vorbereitet sind, was auf Sie zukommt, wäre es wundervoll, Tieren, die schon einmal durch mangelnde Kenntnisse nicht genügend geliebt wurden, ein neues Zuhause zu geben. Es ist nicht allzu sehr bekannt, dass Tierheime auch oft Kaninchen haben, auch Jungtiere. Der Vorteil eines ausgewachsenen Tieres (was nicht gleichbedeutend mit „alt“ ist) ist aber der, dass man Ihnen im Tierheim schon einiges über den Charakter des Tieres sagen kann. So müssen Sie sich nicht erst überraschen lassen, ob das neue Familienmitglied eher ein verspielter Schmuser oder ein dominanter Frechdachs etc. ist.

Und es ist auch äußerst sinnvoll, über mindestens einen Kameraden nachzudenken. Kaninchen leben nicht gerne alleine, schon gar nicht, wenn man selber viel außer Haus ist. So oder so kann aber ein Mensch nicht einen echten Partner ersetzen. Im Falle eines Pärchens lassen Sie aber bitte das Männchen kastrieren. Kaninchen vermehren sich schon sehr jung und sehr schnell, und unerwünschten Kaninchennachwuchs gibt es schon genug auf dieser Welt.

Ein Leben mit Kaninchen wird nicht nur Ihre Wohnung sondern Ihr Leben verändern. Und Sie werden sich jeden Tag aufs Neue erfreuen und immer wieder feststellen, dass der Mythos vom anspruchslosen Schmusetier in seiner Pauschalisierung Ihrem Fellfreund in keinster Weise gerecht wird.

© Jeannette Rücker , August 2000