Eine kleine Einführung in die klassische Homöopathie
10. February 2010 08:23
Die Homöopathie nach Samuel Hahnemann ist eine seit über 200 Jahren erfolgreiche Therapieform. Ihre richtige Anwendung kann Mensch und Tier bei zahlreichen akuten und chronischen Beschwerden so unterstützen, dass die Lebenskraft wiederhergestellt wird oder der Zustand zumindest eine Stabilisierung erfährt (Linderung).

Der Begründer Samuel Hahnemann machte die Entdeckung, dass ein Mittel bei einem gesunden Menschen eine Vielzahl von Symptomen hervorrufen kann. Andersherum kann genau jenes Mittel bei einem kranken Menschen
genau diese Krankheitszeichen heilen. Begründet wird dies mit dem Ähnlichkeitsprinzip „similia similibus curentur“ Ähnliches mit Ähnlichem heilen). Seine homöopathischen Ergebnisse hielt er im Organon der Heilkunst fest, an dem er Zeit seines Lebens arbeitete und welches er stets überarbeitete.

Wer mit der Homöopathie etwas vertraut ist wird wissen, dass es eine gewaltige Menge an homöopathischen Einzelmitteln gibt, die aus Mineralien und chemischen Elementen, aus Pflanzen und Tieren sowie Kankheits- produkten entstehen. Viele der Mittelcharaktere klingen ähnlich, doch unterscheiden sie sich in zahl-reichen Komponenten. Oft weichen die Arzneimittelbilder dabei nur minimal voneinander ab, was es extrem aufwändig und schwierig macht das richtige homöopathische Mittel auszuwählen. Laien können hier schnell Gefahr laufen zum falschen Arzneimittel zu greifen und die Krankheit dann damit nur zu unterdrücken.

Die klassische Homöopathie nach Samuel Hahnemann wertet das Lebewesen im gesamten aus und findet im Anschluss an diese sogenannte Anamnese nach einer Hierarchisierung der Symptome und dem Studieren passender Arzneimittelbilder das richtige Mittel in der passenden Potenz und Dosierung. Eine Erstverschlimmerung der Symptome kann auftreten, muss aber nicht! Die Komplexität der Anamnese und der daraus resultierenden Mittelwahl, sowie die richtige Beurteilung und Reaktion auf etwaige Behandlungsergebnisse (z.B. wie gehe ich mit einer evtl. eingetretenen Erstverschlimmerung um), machen den Einsatz eines ausgebildeten Homöopathen notwendig.

Zudem gibt es zahlreiche Potenzen, die je nach Zustand und Schwere der Erkrankungen sorgfältig ausgewählt sein sollen, um die Gefahr einer Verschlimmerung der Symptome möglichst zu vermeiden. Man unterscheidet zwischen D-, C-, Q- und LM-Potenzen. D-Potenzen werden im Verhältnis 1:10 verdünnt (decimalis). C-Potenzen werden im Verhältnis 1:100 verdünnt (centesimalis). Q-Potenzen werden im Verhältnis 1:50000 verdünnt (quinquagies). Die Ausgangssubstanz wird verrieben. LM-Potenzen werden ebenfalls im Verhältnis 1:50000 verdünnt, die Ausgangssubstanz ist jedoch ein alkoholischer Auszug. Hinter diesen Buchstaben (D-, C-, Q-, LM) finden sich Zahlen die angeben, wie oft das Arzneimittel potenziert wurde (verrieben bzw. verschüttelt). Ein homöopathisches Mittel mit der Potenz D6 hat somit 6 Potenzierungsschritte hinter sich.

Zu den sogenannten Tiefpotenzen gehören die Potenzen D3 bis D24 und C3 bis C12. Sie enthalten noch stoffliche Anteile der Ursubstanz und werden meist organotrop angewandt (um gezielt ein Organ zu behandeln). In der Klassischen Homöopathie verwendet man diese Potenzen eher weniger. Schließlich wird hier ein homöopathisches Mittel in Bezug auf den gesamten Zustand ausgewählt und nicht nur bezogen auf ein Organ. Die höheren Potenzen (ab Potenz C30) werden hauptsächlich zur Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen genutzt, da sie wesentlich tiefer und langfristiger wirken.
 
Leider hat es sich in der Praxis etabliert, dass Tipps von anderen Tierhaltern oft die Basis für eine Selbstmedikation sind. Hierbei soll meist eine ähnliche Krankheitsgeschichte und die erfolgreiche Therapie eines anderen Kaninchens auf das eigene Tier übertragen werden. Diese Vorgehensweise sollte unbedingt vermieden werden.

Folgende Faktoren können beispielhaft betrachtet im Endergebnis zu einer Vielzahl an variablen Mitteln führen:

Sucht das Tier eher einen kühleren Ort auf oder aber einen Ort an dem es wärmer ist, ist das Tier dabei sehr aufgedreht oder aber panisch oder apathisch usw. So könnte Calcium carbonicum einen möglichen Schnupfen heilen, aber ebenso könnte das passende Mittel z.B. Sulfur oder Silicea sein. So kann bei Verdauungsstörungen statt Nux vomica besser Bryonia, Opium oder Lycopodium oder ganz ein anderes Mittel passen! Die Antwort liefert das Studium des Arzneimittelbildes und die richtige Interpretation von Symptomen und Modalitäten, die das Tier zeigt.

Vielen Tierhaltern ist außerdem nicht bewusst, dass sie ihrem Tier mit einer falschen Mittelwahl unter Umständen sogar Schaden zufügen können. Im schlimmsten Fall zeigt das Tier (trotz niedrig gewählter Potenz) die Symptome, für die das Arzneimittel steht. Man nennt das ein Prüfen des Arzneimittelbildes. Dies hat mit der sogenannten Erstverschlimmerung absolut nichts zu tun. Solche Arzneimittelbildprüfungen können durchaus unter der Anwendung von D-Potenzen auftreten, die leider sehr oft als harmlos betitelt werden. Sicherlich gehören die DPotenzen zu den sogenannten Niedrigpotenzen, doch so wie sie eine positive Wirkung auf eine Erkrankung haben können, können sie natürlich auch schaden.

Homöopathische Einzelmittel gibt es in vielen Formen (z.B. als Lösung, Tabletten, Globuli, Pulver). Am gängigsten in der Anwendung beim Haustier sind Globuli. Diese bestehen häufig aus Saccharose, Maisstärke und gereinigtem Wasser und sind daher gut verträglich.

Globuli könnten theoretisch direkt oral gegeben werden. Allerdings würde ein Großteil des Präparates dann auf den Fingern des Halters bleiben, statt im Maul des Tieres zu landen. Bei der Herstellung bleibt nämlich ein Großteil des Wirkstoffs außen auf dem Globuli und nur ein sehr minimaler Anteil dringt in die Zuckerkugel ein. Zum anderen sind diese sogenannten Trockengaben nicht immer empfehlenswert. Sehr sensible Tiere können auf die Trockengabe leicht mit einer Erstverschlimmerung reagieren, was ihnen unnötig Kraft raubt.
© Sonja Tschöpe
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Quelle: 
Alternative Therapien für Kaninchen: Sanfte Unterstützung der Heilkräfte
Letzte Aktualisierung ( 22. February 2010 10:43 )