Sozialverhalten von Wildkaninchen
2. March 2007 10:03

Geschrieben von: Sandra

Kaninchen gehören wie die Hasen zu den "Hasenartigen" und nicht zu den Nagetieren. Nach der Eiszeit gab es Wildkaninchen nur noch in Spanien und Nordafrika. Heute sind sie von Portugal bis Westpolen, Grossbritannien, Norwegen, Gotland und den Gebieten an der ukrainischen Schwarzmeerküste weit verbreitet.

Ein Kaninchenrevier erstreckt sich ca. 600 m um den Bau herum. Meist halten sich die Tiere in der Nähe ihres Baues auf, um so bei Gefahr den Höhleneingang schnell erreichen zu können (es gibt ca. 5 mal soviele Eingänge wie Kaninchen). Kaninchen haben einen ausgeprägten Ortssinn, nur bei fremden Gebiet sind sie äusserst vorsichtig. Treffen Sie dort ein ortsansässiges Kaninchen flüchten sie (auch wenn sie durch Körpergrösse überlegen sind)!

Kaninchen markieren ihr Revier durch einen speziellen Kot sowie durch das Streichen mit erhobenen Kinn (die Markierung erfolgt durch eine Absonderung in der Unterkinndrüse) über Steine, Grasbüschel, etc. Durch Schnuppern an den markierten Stellen erhalten Kaninchen Kenntnisse über das Alter, Geschlecht, Zugehörigkeit und sogar, ob ein Weibchen Junge hat oder nicht. Erst danach wird das Kaninchen in Augenschein genommen.

Fremde erwachsene Kaninchenmännchen werden heftigst bekämpft und verjagt (dabei wird gebissen, gekratzt und mit Urin gespritzt). Bei Paarungs- und Revierverteidigungsstimmungen kann es zu Kämpfen untereinander kommen, um die Rangordnung neu festzulegen.

Jungtiere (auch junge Rammler) dürfen ungehindert zuziehen, auch Weibchen können mit einem freundlichen Empfang rechnen (allerdings sollten sie der "Ehefrau" des Ranghöchsten aus dem Weg gehen).

Kaninchen leben in lebenslanger Einehe. Das Paar schläft in der gemeinsamen Wohnung und hoppelt gemeinsam auf die Weide. Sie gehen liebevoll und freundlich miteinander um. Allerdings lässt sich der Rammler auch mit anderen Häsinnen ein. Diese Nebenfrauen leben aber in ihrem eigenen Bau. Fest verpaarte Weibchen gehen fremden Männchen aus dem Weg und wehren sie mit Pfotenhieben ab. Rammler gehen mit Häsinnen sehr zuvorkommend um, auch wenn es Ohrfeigen hagelt, werden sie nicht grob.

Ca. 28 bis 31 Tage nach der Paarung erfolgt die Geburt der Jungen. Die Jungen kommen blind, taub und nackt zur Welt (Gewicht ca. 40 bis 50 g). Nach 8 Tagen entwickelt sich ihr Fell, und nach 10 Tagen werde die Augen geöffnet. Im Alter von etwa 3 Wochen verlassen sie ihre Kinderstube, und nun kümmert sich auch der Vater um sie. Er nimmt sie mit zum Grasen, wäscht sie und warnt sie bei Gefahr. Mit ca. 4 - 5 Wochen brauchen sie keine Muttermilch mehr, und mit 8 - 10 Wochen sind sie fortpflanzungsfähig.

Kaninchen als Gemeinschaftstiere gibt es schon seit sehr langer Zeit (ca. 3. Jahrhundert vor Chr.). Die eigentliche Domestikation erfolgte so zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert nach Chr. in französischen Klöstern.

© 2000 Sandra Franken

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