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Krampfanfälle bei Kaninchen Drucken
23. February 2007 22:26

von Susanne Kuhställer

Als unser 6 Jahre alter Widder „Schröder“ im Januar 2003 plötzlich immer wieder Krampfanfälle bekam, war ich ziemlich ratlos, und kaum jemand konnte mir weiterhelfen. Damals postete ich in verschiedenen Foren. Leider haben mir die Antworten nicht sehr viel weiter geholfen, aber ich habe sehr viel Anteilnahme erfahren, und das hat in der Situation sehr, sehr gut getan. Daher habe ich auch immer wieder meine neuen Erfahrungen gepostet, und so ist fast eine genaue Aufzeichnung von Schröders Zustand entstanden. Bevor Ihr aber die Aufzeichnungen lest, möchte ich Euch erst mal genau einen Krampfanfall von Schröder definieren, damit wir wissen, worüber wir reden:

Wie sieht ein „Krampfanfall“ aus?

  • starker Zucken der Hinterbeine,
  • Zusammenziehen mit „drehen über den Kopf hinweg“ auf eine Seite, dann verkrampftes Drehen und Strecken auf die andere Seite, anschließend wieder Zusammenziehen zur anderen Seite,
  • Mäulchen mal aufgerissen, mal „verkniffen“, teilweises Würgen mit Würgegeräuschen,
  • verdrehte Augen.

Danach sucht er erstmal Ruhe und „verkrümelt“ sich irgendwo für ca. 10 bis 20 Minuten. Nach einem starken Anfall ist er anschließend ziemlich matt, bietet man ihm aber Futter an, so nimmt er es gern. Nun folgen die Postings von Schröders Odyssee

Verfasst am: 08.01.03 - 20:27:36    Titel: Krampfanfälle!!!

Hallo,

gestern hat uns unser Schröder ganz schön geschockt: Als er im Wohnzimmer saß, fing er auf einmal ganz komisch an zu zucken, zog sich zusammen wie ein Igel, fiel auf die Seite, riss das Mäulchen und verdrehte die Augen - er hatte einen richtigen Krampfanfall, der bestimmt 5 Minuten gedauert hat. Haben ihn dann sofort geschnappt und sind zur Tierärztin. Er kam auch sofort dran und die Tierärztin konnte Herz-Rhythmus-Störungen feststellen. Er hat eine Kreislauf stabilisierende Spritze bekommen und Tropfen für Herz-Kreislaufstörungen. Da er heute früh wieder so einen Anfall hatte, sind wir in der Tierklinik gefahren, dort wurde ihm Blut abgenommen und morgen reichen wir noch Urin nach. Zuerst habe ich die Symptome für Headtilt (Schiefköpfchen) gehalten. Aber der Arzt in der Klinik hielt das für ausgeschlossen, zumal er nach den Anfällen wieder völlig normal ist, er hält seinen Kopf wie immer und hat auch sonst keine Lähmungserscheinungen. Insgesamt ist seine Motorik etwas langsamer, aber ich denke, das solche Anfälle (2 innerhalb von 13 Stunden) ja auch viel Kraft kosten und er daher einfach k.o. ist. Erst mal haben wir Oskar  (Unser Holländer Stehohr, Alter leider unbekannt, da er aus dem Tierheim stammt) und Schröder getrennt, nur wenn wir dabei sind laufen sie zusammen, denn wenn Schröder seinen Anfall bekam, hat Oskar ihn doch etwas drangsaliert. Wir haben Schröder`s Stall nun mit weicher Biber-Bettwäsche gepolstert und alles raus genommen, woran er sich verletzen könnte, wenn er einen Anfall hat und wir es nicht mitbekommen sollten. Nun habe ich noch einige Fragen: wie reagieren wir richtig, wenn er wieder so einen Anfall bekommt: Sollen wir ihn am Boden lassen (bisher habe ich ihn immer hochgenommen und eigentlich bin ich der Meinung, das er dadurch wieder schneller zu sich kam) und was könnte die Ursache dafür sein? Epilepsie, oder kann so etwas auch durch Nierenschäden entstehen? Der Arzt in der Tierklinik sagte, das er bei der Blutanalyse Leber- und Nierenwerte machen lassen will? Wir wollen für Schröder auf jeden Fall die best mögliche Behandlung, wissen aber leider ganz, wie die aussieht und was besonders wichtig wäre. Müsste EKG und Ultraschall gemacht werden??? Für Eure Ratschläge wäre ich sehr dankbar!!!

Susanne
mit Oskar und Schröder, sowie Jule und Nele

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Verfasst am: 11.01.03 - 14:00:19    Titel: CT oder EKG bei Kaninchen???

Hallo,

waren heute wieder in der Klinik (aber nicht in Hannover, da ich Mittwoch einfach Panik hatte und nicht extra bis Donnerstag zur Kleintier-Sprechstunde in der Tiho warten wollte), soweit sind alle Werte von Schröder lt. Aussage der TA in Ordnung, nur der CK (Muskelwert, lag bei 1050, kann damit aber nichts anfangen) und der Leberwert seien leicht verändert, das hätte aber nicht viel zu sagen und ich sollte eine Prise Salz ins Trinkwasser geben - Hallo??? Davon kommen Krampfanfälle??? Als ich fragte , wie es denn mit einer CT oder einem EKG wäre, sagte die TA, das sie solche Untersuchungen nicht durchführen und das es sich für ein Kaninchen wohl auch nicht lohnen würde tausende von Euro für solche Untersuchungen auszugeben - tolle Tierklinik: Nun meine Frage, habt Ihre solche Untersuchungen schon mal bei Euren Tieren machen lassen?

Viele Grüße
Susanne

Übrigens hatte Schröder seit Mittwoch früh keinen Krampfanfall (zumindest in unserer Anwesenheit) mehr - hoffe das bleibt auch so!!!

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Verfasst am: 13.01.03 - 18:25:59    Titel: BEHANDLUNGSFEHLER bei Schröder!!!

Hallo,

ich könnte platzen vor Wut: Habe heute veranlasst, das die Laborwerte der Tierklinik zu meiner TA gefaxt wurden, da ich ihre Meinung dazu noch mal hören wollte. L.t. der Aussage der TA in der Tierklinik waren ja alle Werte soweit o.k., außer dem CK (Muskelwert) und dem Leberwert, sowie einen etwas zu geringen Natrium–Haushalt, deswegen sollte ich ja eine Prise Salz ins Trinkwasser geben. Als ich nun nachmittags bei meiner TA anrief, sagte diese, ich müsste sofort mit Schröder vorbei kommen, da er STARK UNTERZUCKERT sei, das wäre wohl auch die Ursache für seine Anfälle!!! Sie zeigte mir dann die Laborwerte: in einer Spalte standen die von Schröder ermittelten Werte und DIREKT daneben die Referenzwerte (Untergrenze/Obergrenze), wenn mir die TA der Tierklinik die Werte zur Ansicht gegeben hätte, hätte selbst ich das erkennen können nur diese ....... konnte das nicht!!! Schröder Anfall am Samstag hätte also gar nicht sein müssen, wenn er entsprechend behandelt wurden wäre!!! Das kann man doch nur wieder sagen: das Kaninchen das unbekannt Wesen!!! Obwohl das wahrscheinlich mehr mit Dessintresse zu tun hatte, denn wie sagte sie doch, als ich nach EKG und CT fragte: Wollen sie wirklich soviel Geld für ein Kaninchen ausgeben??? EKG lasse ich aber trotzdem noch machen, da ja meine TA bei Schröder auch Herz–Rhythmus–Störungen festgestellt und heute durch abhorchen noch mal bestätigt hat! Die TA in der Tierklinik hatte zwar auch abgehorcht, befand es aber als o.k.!!!

Völlig entsetzte Grüße, über soviel Gleichgültigkeit einem Lebewesen gegenüber
Susanne

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Verfasst am: 20.01.03 - 18:16:53    Titel: Endlich: Diagnose Schröder!!!

Hallo,

erst mal möchte ich mich recht herzlich bei Euch bedanken, für Eure Anteilnahme, Tipps und Ratschläge: Am Freitag waren wir ja nun mit Schröder bei einen Tierarzt, der sich auf Kardiologie spezialisiert hat - ein wirklich super Tierarzt!!! Er hat sich fast eine Stunde mit Schröder beschäftigt, sogar Oskar (Schröders Kumpel) mit in die Behandlung einbezogen, damit Schröder nicht soviel Angst hat und am Ende sogar noch zur Arzthelferin gesagt, sie solle den EKG nicht mit berechnen, das wäre schon o.k !!! Er hat bei Schröder also ein EKG und dann ein Echokardiogramm (Ultraschallaufnahme des Herzens) gemacht. Dabei stellte sich heraus, das unser Schröder einen leider sehr schweren Herzfehler hat. Seine Herzmuskulatur ist völlig erschlafft und erzielt kaum noch Leistung, das versucht er auszugleichen, indem sein Herz viel schneller und öfter schlägt als normalerweise bei anderen Kaninchen, daher auch ein erhöhter Energieverbrauch, der die Unterzuckerung verursacht hat. Wenn ihm das nicht gelingt, wird sein Gehirn nicht genug durchblutet und er "kippt um". Er bekommt jetzt jeden Tag einen Medikamenten-Cocktail aus Lanitop-Tropfen und einer viertel Enalapril-Tablette. Lanitop ist zur Stärkung des Herzmuskels und Enalapril ist ein ACE-Hemmer, der den Blutdruck senkt, denn durch die schwache Leistung seines Herzens, haben sich die Arterien zusammengezogen. Wird jetzt aber wieder mehr Blut in den Kreislauf gepumpt (was hoffentlich durch Lanitop der Fall ist), würde es zu einem Stau kommen und Enalapril sorgt dafür, das der Blutdruck wieder gesenkt wird, indem sich die Arterien weiten! Hoffe ich habe das alles richtig behalten!!! In der Tierklinik, wo diese "tolle" Tierärztin die Fehldiagnose gestellt hat, habe ich übrigens noch mal angerufen und einen "Mords-Aufstand" beim Chef gemacht, das kann ja wohl nicht angehen! Aber wenigstens wurde der Fehler eingestanden. Übrigens glaube ich das Oskar wahrscheinlich ins Guinness-Buch der Rekorde kommt, als Kaninchen mit den häufigsten Tierarztbesuchen, allerdings ohne je behandelt wurden zu sein, denn der Arme muss ja immer Schröder Gesellschaft leisten, allerdings wäre er alleine Zuhause auch todunglücklich! Leider ist die Lebenserwartung bei einer solchen Herzschwäche nicht all zu hoch, aber nun ist unser Schröder schon 6 Jahre alt geworden und ist hoffentlich noch viele Jahre bei uns! Seit letzten Mittwoch hatte er auch keinen neuen Anfall mehr!!!

Nochmals vielen Dank und ganz liebe Grüße
Susanne
mit Oskar und Schröder, sowie Jule und Nele

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Wie bereits geschrieben, erhielt unser Schröder seit dem 20.01.03 regelmäßig Medikamente für seine Herzschwäche. Leider hörten die Anfälle nicht auf. Schon seit dem ersten Anfall führen wir ein „Anfalltagebuch“, denn es ist sehr wichtig, jeden Anfall, am besten sofort, ganz genau zu dokumentieren, damit auch der TA alles genau nachvollziehen kann. Auf Grund unserer Aufzeichnungen und in Absprache mit dem Kardiologen kam unsere TA zu dem Entschluss, dass unser armer Schröder wohl an Herzschwäche und Epilepsie leidet. Daher bekommt er nun seit einiger Zeit zusätzlich noch ein Anti–Epilpetikum, nämlich Luminaletten.

Nun möchte ich an dieser Stelle noch das Tagebuch einfügen:

Datum:

Uhrzeit:

Dauer:

Stärke des Anfalls:

07.01.03

16.00 Uhr

Ca. 4 Min.

Starker Anfall

08.01.03

  5.00 Uhr

Ca. 3 Min.

Starker Anfall

11.01.03

21.00 Uhr

     5 Min.

Starker Anfall

12.01.03

17.00 Uhr

 

Ganz leichter Anfall: auf den Rücken geworfen und höchstens dreimal gezuckt

Seit dem 13.01.03 erhält er täglich eine Spritze mit Glucose- und Ringerlösung, da bei einem Bluttest eine Unterzuckerung (Wert = 2,0) festgestellt wurde!!!

15.01.03

16.30 Uhr

       7 Min.

Sehr, sehr starker Anfall: vorher zweimal kurz auf den Rücken geworfen, es war ihm anzumerken, das ein Anfall im „Anmarsch“ ist! Glucose- und Ringerlösung wurde erst um 18.45 Uhr gespritzt

17.01.03 Termin beim Kardiologen Dr. Tobias, seitdem erhält Schröder ¼ Tablette Enalapril und einen Tropfen Lanitop!!!

25.01.03

11.00 Uhr

   2 x 2 Min.

Kurz hintereinander zwei leichte Anfälle, aber es herrschte Aufregung, da noch ein anderes Kaninchen im Wintergarten war!!!

25.01.03 nach einer Woche sollte die Dosis von Enalapril verdoppelt werden, also er hält er ab heute eine ½ Tablette davon!!!

27.01.03

20.45 Uhr

Ca. 3 Min.

Mittelschwerer Anfall!!! Schröder war schon im Stall, hatte vorher aber intensiv durchs Hasenzimmer geschnüffelt, wo Jule und Nele immer sind!

30.01.03

18.00 Uhr

Ca. 4 Min.

Mittelschwerer Anfall!!!

Ohne irgendwelche Stressfaktoren, einfach so im Wohnzimmer, wo er mit Oskar gemütlich auf dem Teppich saß.

26.01.03 Medikation ab heute: Morgens eine 1/6 Tablette Luminaletten, Abends: 1/6 Tablette Luminaletten + ½ Tablette Enalapril + 1 Tropfen Lanitop

05.02.03

11.00 Uhr

Ca. 3 Min.

Schwerer Anfall, ohne jegliche Stressfaktoren im Vorfeld

Ab 06.02.03 Erhöhung der Luminaletten auf eine Gabe von jeweils einer 1/3 Tablette.

20.02.03

12.00 Uhr

Ca. 15 Sek.

Ganz leichter Anfall

02.03.03

11.00 Uhr

Ca. 10 Sek.

Ganz leichter Anfall

Ich hoffe natürlich, das ich nie wieder einen Eintrag in dieses Tagebuch machen muss, das für unseren  Schröder endlich die richtige Medikation gefunden werden konnte und er noch gaaaaanz lange bei uns ist!!!

Zum Schluss möchte ich Euch aber noch ein paar Tipps geben, wie man sich grundsätzlich bei einem Krampfanfall verhält:

  • sämtliche Reizfaktoren wie flackerndes Licht oder Lautstärke (Fernseher, Radio oder auch Gespräche) sofort abstellen bzw. einstellen,
  • Licht gegebenenfalls abdunkeln, z.B. Zuziehen von Vorhängen oder einfach eine Decke locker über das krampfende Tier legen, ihm gut zureden und etwas streicheln – ihm halt das Gefühl geben, für ihn da zu sein,
  • AUF KEINEN FALL AUF DEN ARM NEHMEN!!! Unser Schröder war in seinen Bewegungen so unberechenbar und hat eine riesige Kraft entwickelt, dass man ihn gar nicht hätte halten können.

Bitte bedenkt, dass ich keine Tierärztin bin, und ich in diesen Bericht lediglich meine Erfahrungen zu den Thema „Krampfanfälle bei Kaninchen“ wiedergebe. Sollte Ihr noch direkte Fragen an mich haben, so stehe ich Euch unter der folgenden E-Mail Adresse gerne zur Verfügung: schrossi@freenet.de

© Susanne Kuhställer

8. März 2003

Siehe auch: Lucys Epilepsie 

© 2003 Kaninchenforum.com

 

 

 

Letzte Aktualisierung ( 9. March 2007 11:18 )
 
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