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Artgerechte Ernährung von Kaninchen und Meerschweinchen Drucken E-Mail
23. Februar 2007 21:12

von Claudia J. 

Generelles

Unsere Hauskaninchen stammen alle (vom Zwergkaninchen bis zum Stallkaninchen) vom europäischen Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) ab und gehören zur Familie der Hasenartigen. Wildkaninchen ernähren sich hauptsächlich von Gräsern, Kräutern, Gemüse, Rinde und sehr selten von Getreide (im Herbst, wenn ein paar Körner verweht werden).

Unsere Hausmeerschweinchen stammen vom südamerikanischen Wildmeerschweinchen (Cavia aperea porcellus) ab. Wildmeerschweinchen ernähren sich hauptsächlich von Vitamin-C-reichen Gras in den Anden.

Kaninchen wie Meerschweinchen haben wurzeloffene Zahnkanäle, d. h. die Zähne wachsen ein Leben lang nach. Die Schneidezähne sind zum Abbeißen und Nagen, die Backenzähne zum Mahlen der Nahrung durch Vorwärts-Rückwärts- Bewegungen (Schlittengebiss). Dabei werden die Backenzähne aneinander gerieben und abgeschliffen.

Die Verdauung von Kaninchen und Meerschweinchen ist sehr komplex. Sie haben einen schwach bemuskelten, dünnwandigen Magen. Daher können sich beide Tierarten nur in ganz seltenen Fällen (z. B. Vergiftung) erbrechen, und die Nahrung wird nicht durch die Magenmuskulatur weitertransportiert. Nur durch ständige Nahrungsaufnahme kann der Mageninhalt in den Darm weitertransportiert und dort verarbeitet werden. Die Tiere müssen daher ständig fressen, damit die Verdauung intakt bleibt. Dies bedeutet, dass sie pro Tag ca. 60 bis 80 kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen.

Bei zu großen Futterabständen können sich die Tiere überfressen. Dies kann zur Magenüberladung bis hin zum Magenwandriss führen. Das aufgenommene Futter muss die gesamte Verdauung durchlaufen (Dauer ca. 4 bis 5 Tage), bevor es wieder ausgeschieden wird. So muss auch schlechtes Futter den ganzen Verdauungskanal durchlaufen, bevor es wieder ausgeschieden wird, es kann zur Erleichterung nicht erbrochen werden und lange Zeit Probleme verursachen.

Im Dickdarm wird die Zellulose des rohfaserreichen Futters verdaut.

Der Blinddarm ist eine große Gärkammer, in dem durch eine Stoffumwandlung durch Mikroorganismen (hauptsächlich Bakterien) erhebliche Mengen an flüchtigen Fettsäuren, hochwertigen Proteinen und lebenswichtigen B-Vitaminen gebildet werden.

Diese Nährsubstanzen werden teilweise über die Blinddarmwand aufgenommen, teilweise als sogenannter Blinddarmkot ausgeschieden. Dabei handelt es sich um schleimüberzogene, traubenförmige Gebilde. Dieser Kot wird von den Tieren direkt vom After aufgenommen und verzehrt.

Auf diese Weise bekommen die Tiere aus rohfaserreicher, aber energiearmer Nahrung alle Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe, die sie zum Leben benötigen. Nur Meerschweinchen sind noch auf die zusätzliche Gabe von Vitamin C in Form von Gemüse angewiesen, da sie dieses Vitamin nicht selbst bilden können.

Die Tiere dürfen niemals an der Aufnahme dieses für sie lebenswichtigen Blinddarmkotes gehindert werden!

Was bedeutet das nun für unsere Hauskaninchen und –meerschweinchen?

Das Zahnwachstum und die Verdauung unserer Heimtiere ist immer noch dieselbe wie die ihrer wilden Verwandten, auch wenn sie teilweise schon seit Jahrhunderten domestiziert sind. Das heißt, sie sind reine Vegetarier, die auf rohfaserreiche, langfaserige, energiearme Nahrung angewiesen sind.

Die meisten Futtermittel, die im Handel angeboten werden, erfüllen diese Voraussetzungen nicht. Sie enthalten einen zu hohen Getreideanteil (Weizen, Hafer, Haferflocken, Roggen, Mais, Maisflocken), der teilweise aufgepoppt, grün und orange eingefärbt wurde, damit es gesund und vielfältig aussieht. Sie enthalten Bäckereinebenerzeugnisse (Abfall aus der Backindustrie), Zuckerrohrmelasse (Abfall aus der Zuckerindustrie), Nüsse, Sonnenblumenkerne, teilweise sogar tierische und fischige Nebenerzeugnisse (Abfälle aus der Fleisch- und Fischindustrie).

Ebenso sind die sogenannten “Leckerlies” oder auch Snacks wie Drops, Knabberstangen, Cracker, Rollies, Waffeln usw. völlig ungeeignet. Diese Snacks bestehen aus Milch, Milchpulver, Getreide, Honig, Zucker, Mehl, tierischem Eiweiß.

All diese Inhaltsstoffe haben in einer tiergerechten Kaninchen- und Meerschweinchenernährung nichts zu suchen!

Die Folgen dieser Ernährung:

    Die Nahrung wird nur kurz abgebissen, einmal zwischen den Zähnen gequetscht und heruntergeschluckt. Somit ist der ausreichende Zahnabrieb nicht gewährleistet. Es kommt zu langen Zähnen, Zahnbrücken, Zahn- und Kieferabszessen usw..

    Da die Magen-Darm-Struktur der Tiere auf solche Nahrung nicht ausgelegt ist, kommt es häufig zu Verdauungsproblemen wie ständiger Durchfall, Trommelsucht, Verstopfung, Magenüberladung, Magenwandriss usw..

    Da der Körper der Tiere diese energiereiche, kalorienhaltige Nahrung nur sehr schlecht verwerten kann, kommt es zu Übergewicht, Verfettung, Bewegungsunlust, Herz- und/oder Leberverfettung usw..

    Durch Durchfall ist der After oft verschmiert und bietet für Fliegen ein wahres Paradies, um ihre Eier dorthin abzulegen. Es schlüpfen Maden, die die Tiere innerhalb von Stunden von innen auffressen.

Art- und Tiergerechtes Futterangebot

Heu:

DAS Grundnahrungsmittel ist Heu, Heu und nochmals Heu. Es muss 24 Stunden am Tag in großen Mengen zur ständigen Verfügung stehen. Heu ist das einzige Futtermittel, das zum optimalen Zahnabrieb dient, da es lange gekaut werden muss. Heu ist das einzige Futtermittel, das langfaserig, rohfaserreich und energiearm ist und für eine optimale Verdauung sorgt. Es enthält alle wichtigen Nähr- und Ballaststoffe, die die Verdauung der Tiere optimal regulieren.

Gutes Heu ist grün, riecht aromatisch, enthält Kräuter, Blüten und Gräser.

Schlechtes Heu staubt, ist gelb, riecht muffig/schimmelig und ist feucht. Dieses darf niemals verfüttert werden! Ansonsten kommt es zu schwersten Verdauungsstörungen.

Grünfutter:

Zu einer gesunden Ernährung gehört auch die Fütterung von frischem Grünzeug.

Eine kleine Auswahl geeigneter Gemüse-, Obst- (nur selten, als Leckerchen füttern!) und Kräutersorten: Möhren, Möhrengrün, Chicoree, Chinakohl, Gurken, Tomaten, Fenchel, Paprika, Sellerie (Knolle und Grün), Äpfel, Bananen, Erdbeeren, Dill, Petersilie, Basilikum, Borretsch, Löwenzahn, Spitz- und Breitwegerich, Giersch usw.

Trockenfutter (Körnerfutter, Kraftfutter):

Wie oben (Generelles, Bedeutung) schon beschrieben, gehört Trockenfutter nicht auf den Speiseplan von Kaninchen und Meerschweinchen, und es sollte darauf verzichtet werden.

Ausnahme: rekonvaleszente (genesende) Tiere

Wer generell nicht auf Trockenfutter verzichten möchte, sollte pro Tag und Tier höchstens einen gestrichenen Teelöffel verfüttern, ansonsten können die schon genannten gesundheitlichen Schäden auftreten.

Für diese Fälle sollten als Trockenfutter getreidefreie Pellets (kleine, grünliche, gepreßte Stäbchen) gegeben werden. So können sich die Tiere nicht die dickmachenden Teile herausselektieren und den Rest liegen lassen.

Wie schon mal geschrieben, brauchen auch Außenhaltungstiere bei einer ausgewogenen Ernährung kein Trockenfutter, Innenhaltungstiere ja sowieso nicht.

Futtermenge:

Heu sollte ständig, in großer Menge, zur Verfügung stehen.

An Grünfutter gibt man täglich eine Mischung aus den genannten Sorten. Sind die Tiere nicht an Grünfutter gewöhnt, gibt man erst sehr kleine Mengen und steigert diese langsam. So kann man auch prüfen, ob und welche Grünfuttersorten vertragen werden. Ansonsten kommt es zu schweren Verdauungsproblemen.

Fazit: Bitte beachten Sie bei der Ernährung Ihrer Heimtiere die Ernährung der wilden Verwandten. Nur so ist ein langes, gesundes und tiergerechtes Leben gewährleistet!


Siehe dazu auch:

Kurzinfo Ernährung 

Grundsätzliches zur Fütterung 

Vom (Un)sinn mit Pellets und Trockengemüse

Verdauungsphysiologie und Fütterung

Artgerechte Haltung und Fütterung 

Ernährungspyramide 

Ursachen für Hefebefall

Tipps zur Fütterung bei Hefepilzinfektionen

Fütterungsempfehlung bei Blasengries/-schlamm/-steinen

Tipps zur Ernährung bei Blasengries & Co 

Snacks für Kaninchen und Meerschweinchen ?  von Tierarztpraxen Rottmayer

Trockenfutter/Pellets/Fertigfutter für Kaninchen?

So funktioniert die Verdauung

Nährwertrechner für Gemüse

Kaninchen trinken lieber aus dem Napf


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Letzte Aktualisierung ( 23. Januar 2012 13:45 )
 
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