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Das kleine Nin-moppel-ig Drucken
23. February 2007 20:47

von Sonja T.

Es war einmal ein recht kleines vierjähriges Kaninchen. Das lebte in einem 100-cm-Käfig mit einem schönen Kartonhäuschen, viel Stroh und Heu, einer Wasserflasche sowie einem vollen Napf mit bestem Supermarkttrockenfutter.

Das Kaninchen hatte zwar des öfteren eine aufstehende Käfigtür, doch viel lieber saß es am stets vollen Napf und leerte diesen. Das Resultat ließ nicht auf sich warten – es wurde dicker und dicker und schwerfälliger und hatte bald kaum noch Lust, den kleinen Kaninchenknast zu verlassen.

Irgendwann kam eine fremde Frau und nahm das Kaninchen einfach mit.

Als das Kaninchen aus der Transportbox gelassen wurde, fand es sich in einem neuen Käfig wieder, der schon etwas größer war (120 cm). Auch sein Kartonhäuschen stand in dem Käfig, aber wo war sein prall gefüllter Fressnapf geblieben???

Es dauerte nicht lang und die fremde Frau, die freundlich auf das Kaninchen einplauderte, stellte einen wesentlich kleineren Napf hinein. Ungläubig starrte das Kaninchen in den Napf. Riecht seltsam, ist anders bunt. Was der Bauer nicht kennt, das schmeckt ihm nicht...

Die Frau blieb hart: "Entweder das oder Heu und Kräuter, aber dein altes Supermarktfutter bekommst du nie wieder!"

Das Kaninchen ruhte sich aus, und als der Hunger doch zu groß wurde, hoppelte es vorsichtig an den Napf und versuchte das bunte Zeug. "Gar nicht schlecht!"

Am nächsten Tag nahm die fremde Frau das Kaninchen aus dem Käfig und stellte es auf eine Digitalwaage. 1,8 Kilogramm zeigte die Waage an! Deutlich mehr, als das Kaninchen hätte wiegen dürfen.

Überall hatte das Kaninchen Fettpolster. Eine Wirbelsäule war nicht zu ertasten.

"Du kommst auf Diät, du Moppel!" sprach sie und setzte das Kaninchen in einen Auslauf. Igitt, Bewegung, dachte das Kaninchen, doch es kam schlimmer. Ihm wurde eine Kaninchendame vorgesetzt. So etwas hatte er bis dato weder gesehen noch erlebt. Die Kaninchendame näherte sich ihm neugierig und kam relativ bald zur Sache. Sie war die Herrin im Haus. Frauen eben!

Noch am gleichen Tag zog das dicke Kaninchen mit seiner neuen langohrigen Freundin in ein großes Gehege. Und es gab frisches Futter – etwas, dass das dicke Kaninchen schon lang nicht mehr erhalten hatte, denn darauf bekam es stets Durchfall, hieß es.

Schnell hatte das dicke Kaninchen den Futterzeitenrhythmus heraus. Morgens gab es etwas von dem trockenen Gemüse, nachmittags trockene Kräuter oder frischen Löwenzahn bzw. Spitzwegerich, und abends wurde der Napf mit diversen Frischfuttersorten gefüllt.

Das dicke Kaninchen lag auch bald nicht mehr träge herum, sondern hoppelte seiner neuen Freundin stets hinterher.

Einige Wochen später kam die mittlerweile bekannte Frau erneut mit der Transportbox, und dem dicken Kaninchen schwante nichts Gutes. Musste er etwa schon wieder umziehen???

Der Tierarztbesuch stand an diesem Nachmittag auf dem Programm. Der Tierarzt war über die allgemeine Verfassung des Moppels nicht gerade begeistert. Ein Masttier, so betitelte er das noch immer 1,8 kg wiegende dicke Kaninchen. Er stellte weiterhin fest, dass die Sohlen aller Pfoten gerötet und zum Teil wund waren. Ein Problem, das durch das Übergewicht des Tieres auftrat. Weiterhin Diät, viel Bewegung, dann purzeln die Pfunde und auch die Pfötchen sind wieder in Ordnung.

Das dicke Kaninchen fuhr zurück nach Hause, doch musste es noch einige Zeit in der Box warten, denn die Frau polsterte den Untergrund mit mehreren Teppichen aus. Als er schließlich in seinem Gehege Platz nahm, war alles viel weicher, und seine Pfötchen schmerzten nicht mehr so arg.

Zwei Monate später

Die Zeit verging, und als die Frau das Kaninchen auf die Waage setzte, zeigte diese 1,6 kg an! Man sah deutlich, dass das dicke Kaninchen an Gewicht verloren hatte. Auch ließ sich seine Wirbelsäule beim Streicheln wieder ertasten. Die Sohlen hatten sich ein wenig gebessert, doch es bedurfte noch immer eines weicheren Untergrundes. "100 g müssen noch fallen", sagte die Frau leise vor sich hin.

Einen Monat später

Plötzlich alleine! Wo ist das nette Kaninchenmädchen hin??? Warum wieder alleine? Das noch moppelige Kaninchen verstand die Welt nicht mehr. Und ehe es sich an die neue einsame Situation gewöhnen konnte, hatte die Frau zwei andere Kaninchen zu ihm gesetzt. Es ging rund, es wurde geprügelt und gebissen. Das moppelige Kaninchen flüchtete und kollabierte. Zittrig lag es mit dem Oberkörper auf dem Boden, wollte weiterlaufen, doch bekam seine Vorderpfoten nicht mehr auf den Boden gesetzt.

Die Frau, die sich mittlerweile als Mami betitelte, nahm ihn und setzte ihn aus der Gefahrenzone heraus auf ein weiches Kissen. Sie streichelte ihn, redete ihm Mut zu und schimpfte mit den beiden anderen. Es hatte sich doch bei dieser Jagerei nicht etwa verletzt?

Es dauerte nicht lange, da setzte sie das moppelige Tier wieder zu den anderen beiden hinein. Es herrschte etwas Ruhe, danach ging es von neuem los.

Es dauerte ein paar Tage, da hatten sich die Wogen der Zusammenführung geglättet. Das andere männliche Kaninchen ignorierte das moppelige kleine Kaninchen nun öfters. Außer wenn es Futter gab, da konnte es passieren, dass der andere den Moppeligen anknurrte und mit einem Zwick in die Seite verjagte. Viel schlimmer war das Weibsbild, die Freundin des anderen Kaninchens. Sie jagte das Moppelige unaufhörlich oder schlich sich hinterrücks an, um es in den Po zu beissen.

Die Jagerei nahm langsam ein Ende. Die Frau am Gehege schien mit jedem vergangenen Tag fröhlicher und zufriedener zu werden. Die Zusammenführung schien beendet – nun musste nur noch das Dreier-Kuscheln eintreten.

An einem späten Nachmittag saß der Moppelige seltsam in der Klokiste. Die Frau lockte ihn und bemerkte, dass er das eine Pfötchen nicht mehr auf den Boden setzte. Er hielt es eingewinkelt am Körper, wie ein Hund, dem man das Kommando "Gib Pfötchen" beigebracht hatte.

Der Tierarzt stellte keinen Bruch fest, ordnete Ruhe an und verschrieb ein Antibiotikum sowie ein Analgetikum. Der Moppelige wurde von seinen beiden neuen Gehegegenossen getrennt. Er wurde auf eine Schaumstoffunterlage gebettet und bekam ein schönes Holzhaus sowie ein kleines rosa Plüschschwein als Partnerersatz für seine Krankenstation.

Die Wochen vergingen – eine Besserung trat nicht ein. Der Tierarzt vermutete mittlerweile eine Muskelzerrung oder sogar einen Muskelriss. In beiden Fällen dauerte eine Heilung, und er bat um Geduld.

Die Frau zog das volle homöopathische Programm durch. Immer öfter blickte sie den Moppeligen vor sich traurig an.

"Was hat man dir da nur angetan? In dem kleinen Käfig! Mit dem zu vielen falschen Futter! Mit dem zu wenig Auslauf! Du armer Tropf!"

Der Moppelige zog drei Wochen später aus dem kleinen Gehegeabteil aus ins Wohnzimmer. Von da an durfte er das gesamte Wohnzimmer erkunden, blieb jedoch vorsichtshalber stets auf den Teppichen. Er steigerte seine Fitness tagtäglich und belastete auch peu à peu wieder das kaputte Pfötchen. Sein Gewicht reduzierte er auf das Idealmaß, und nach wochenlangem Wohnzimmererkundungshoppeln war auch endlich der Muskelaufbau so, dass er längere Strecken und höhere Sprünge hoppeln konnte, ohne gleich ausser Atem zu sein und sich ausruhen zu müssen.

Das Moppel-ig verschwand eines Tages! Stattdessen lebte ein schlankes Kaninchen in einer Dreier-WG munter und gesund ernährt bis an sein Lebens-

ende!

Zur Geschichte

Ich habe an der ein oder anderen Stelle vielleicht ein wenig übertrieben, doch im Großen und Ganzen ist die Geschichte des dicken Kaninchens wahr – ich habe sie erleben müssen.

Übertriebene Liebe, die falsch dem Tier entgegen gebracht wird (eigentlich meint es der Halter aus seiner Sicht ja nur gut), kann schnell ein Tier krank machen! Im schlimmsten Fall sterben solche fettleibigen Tiere früher oder später an Leberverfettung oder Herzinfarkt. Wichtig ist hier zu handeln!

Bei einem zu dicken Tier bitte nie von heute auf morgen das Futter reduzieren oder umstellen. Das kann zu schlimmen Durchfall führen!

Bitte langsam auf frisches Futter umstellen, wöchentlich die Dosis des frischen Futters erhöhen und dafür das trockene Futter reduzieren.

Niemals gleichzeitig Trockenes und Frisches anbieten – derartiges kann zu Blähungen führen. Außerdem würde das Kaninchen stets das trockene Futter als erste Wahl nehmen.

Wieviel das Kaninchen abnehmen muss, sollte mit dem Tierarzt besprochen werden, wenn man es nicht selbst einschätzen kann.

Zur Ernährungsumstellung gehört in jedem Fall auch sportliche Betätigung.

Den Auslauf öfter umgestalten, damit sich das Tier nicht langweilt und sich auf neue Erkundungen freut. In jedem Fall mehrstündig täglicher Auslauf, am besten 24 Stunden Auslauf in einem Zimmer oder aber einem großen Gehege!

Bei weiteren Fragen:

www.kaninchenforum.com - Das Original, bei Fragen zum Kaninchen!

Verdauungsphysiologie und Fütterung

Kurzinfo Ernährung 

Grundsätzliches zur Fütterung 

Vom (Un)sinn mit Pellets und Trockengemüse

Artgerechte Haltung und Fütterung 

Ernährungspyramide 

So funktioniert die Verdauung 

 

Letzte Aktualisierung ( 4. May 2010 10:00 )
 
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