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Encephalitozoonose (auch e.c. oder Headtilt, Schiefhals) Drucken
23. February 2007 14:01

Encephalitozoonose (auch abgekürzt e.c. oder Headtilt, Schiefhals) ist eine Infektion mit einem Erreger. Es handelt sich hierbei um eine intrazellulär lebende Mirkosporidienart mit hoher Affinität zum zentralen Nervensystem (ZNS) und den Nieren. Der Heilungserfolg hängt von der sofortigen Reaktion des Halters mit einem Gang zum Tierarzt und Beginn der richtigen Behandlung ab! Andernfalls kann es ggf. zu Todesfolgen kommen.

Wichtig sind nach aktuellen Studien bei der Behandlung folgende Medikamente:

  • Antibiotikum (AB) mit Wirkstoff Chloramphenicol
  • Vitamin B
  • Kochsalzinfusionen
  • Panacur (bzw. Fenbendazol)
  • Cortison

Homöopathisch zur Nervenstärkung kann man über die Apotheke Ney Troph Tropfen besorgen, für die Darmflora kann zusätzlich Bird Bene Bac gegeben werden.

Ich besitze derzeit insgesamt 4 Kaninchen. 2002 musste ich leider bereits die Erkrankung an e.c. bei meiner Häsin Lucy erleben. 2005 erkrankte Paula an dem Erreger. Beide Kaninchen haben es jedoch geschafft. Ihre Köpfe waren unterschiedlich schief, doch bei keinem sieht man die Erkrankung mehr. Während der Erkrankung lebten sie fürs erste vom Partner/der Gruppe getrennt und waren von der Bewegung her eingeschränkt (Verletzungsgefahr beim Umfallen). Ich musste trennen, da die anderen gesunden Tiere auf die Kranken losgingen!

Eine prophylaktische Behandlung aller Kaninchen mit Panacur habe ich nicht durchführen lassen (nach Rücksprache mit meinen Tierärzten).

Da es mittlerweile viele Erfahrungsberichte hierüber gibt, habe ich mich auf eine Art Tagebuchtabelle beschränkt, in der kurz und bündig notiert ist, was an den einzelnen Tagen geschah, wieviel gefressen wurde und welche Medizin gegeben worden ist. Die Dosierungsmenge gebe ich nicht an, da es auf das Gewicht des Tieres ankommt und mit dem Tierarzt besprochen werden sollte.

Tag 1

Verhalten

 Appetit

Medizin

20.45 Uhr

zurückgezogen gelegen, Kopf leicht schief, Auge stark unruhig

keiner

-

21.30 Uhr

beim Tierarzt

 

Vitamin B Spritze, Baytril AB, Cortison, Kochsalzinfusion

22.00 Uhr

in eigenen Käfig gesetzt, ausgelegt mit Teppichen. Nippeltränke und Wassernapf hineingestellt, ebenso ihre geliebte Weidenbrücke

 

 

Tag 2

 

 

 

09.00 Uhr

unverändert, kaum stehen möglich, Auge jedoch ruhiger

über Nacht wenig Apfel gegessen + Trockenkräuter, viel getrunken

 

12.00 Uhr

 

Löwenzahn, Oregano, Rauke gefressen

 

13.00 Uhr

liegt viel, Kopfhaltung etwas schlechter geworden, Auge jedoch ruhiger

 

Panacur Gabe

15.24 Uhr

Köttel normalgroß und hart, hoppelt ein wenig

Basilikum gefressen, viel getrunken

 

15.35 Uhr

Frisst immer Häppchenweise im Sitzen, dann sofort wieder ausruhen im liegen.

Apfelstück gefressen

 

17.30 Uhr

beim Tierarzt

 

Vitamin B Spritze Baytril AB Kochsalzinfusion

18.30 Uhr

 

Löwenzahn gefressen

 

Tag 3

 

 

 

09.00 Uhr

 

3-4 Löwenzahnblätter gefressen

 

13.00 Uhr

 

 

Panacur Gabe

22.40 Uhr

Kopf unverändert, kann mittlerweile jedoch stehen/sitzen, putzt sich zeitweise - keine/kaum Köttel

Blätter vom Apfelbaum gefressen

 

nachts

öfter Positionswechsel, liegt jedoch hauptsächlich z.T. mit starkem Herzklopfen/Zittern

wenig Karotte, restlichen Löwenzahn

 

Tag 4

 

 

 

08.30 Uhr

zittert häufig und liegt sehr ausgestreckt

2 Löwenzahnblätter

 

10.00 Uhr

2 x beim Putzen umgefallen

 

 

12.00 Uhr

Köttel normal, aber weich

 

Panacur Gabe

12.50 Uhr

Kopf unverändert, Atmung immernoch häufig kurz, Auge wieder normal

Löwenzahn + Petersilie wird gefressen

 

16.30 Uhr

wieder liegen; bei Käfigreinigung sie hochgehoben und sie begann sofort zu krampen

verweigert aufgeweichte Vitakraft Kuller vermengt mit Haferflocken und Banane; Apfelstück wurde jedoch gefressen

 

17.10 Uhr

Kampf mit ihr bei der Medizingabe. Sie kann sitzen und Kopf auch in alle Richtungen wieder drehen, atmet jedoch immer wieder kurz und zittert und liegt fast nur ausgestreckt.

 

kein Baytril AB mehr, da Wirkstoff Chloramphenicol darin nicht enthalten. Ab sofort Parkefelin Palmitat oral

17.45 Uhr

 

 

Bird Bene Bac "Spritzer"

21.00 Uhr

 

Apfelstück gefressen

 

22.35 Uhr

liegt ausgestreckt, ist jedoch ruhiger

 

 

Tag 5

 

 

 

9.30 Uhr

Miniköttel im Käfig

Alles aus dem Käfig ist weggefressen

 

10.00 Uhr

 

Apfelstück gefressen

 

11.30 Uhr

 

 

Panacur Gabe

12.00 Uhr

 

Knäckebrot angeboten - verweigert

 

14.10 Uhr

 

3-4 Löwenzahnblätter gefressen, Rauke, Spitzwegerich; Haferecken werden verweigert

 

15.00 Uhr

 

Petersilie ist gefressen

 

15.40 Uhr

Köttel eher breiig; Medizin selbst verabreicht, reger Kampf mit Paula (sie hat Kräfte wie ein Bär trotz e.c.)

 

AB, Vitamin B Bird Bene Bac

17.45 Uhr

Klokiste in Käfig gestellt, die sofort genutzt wird: Harte Köttel

Hälfte von Löwenzahnbüschel weg

 

18.30 Uhr

schläft, Atmung sehr ruhig

 

 

19.48 Uhr

Liegt zum 1. Mal nicht nur rum, sondern hockt und schläft dabei. Atmung ruhig

 

Restliches AB

22.18 Uhr

 

restlichen Löwenzahn gefressen

 

Tag 6

 

 

 

10.00 Uhr

großer Appetit

viel Löwenzahn gefressen, 2 Kohlrabiblätter

 

17.15 Uhr

beim Tierarzt, Doc ist sehr zufrieden, setzt sie auf Boden, sie hoppelt, fällt nicht um, kann in beide Richtungen hoppeln

 

Vitamin B, AB Kochsalzinfusion Panacur

22.31 Uhr

viel liegen, jedoch nicht mehr unter Weidenbrücke, sondern in Kloecke, 2 x durfte ich sie ganz kurz streicheln, jedoch arges zittern am Körper

Löwenzahn, Apfelstück und Spitzwegerich gefressen

 

Tag 7

 

 

 

05.20 Uhr

Liegt neben Weidenbrücke, wirkt k.o.

Löwenzahn gefressen

 

18.20 Uhr

Liegt unter Brücke. Habe sie zu den anderen gesetzt, sie schnupperte Gonzo an, dann Rückzug unter Hängematte. Köttel normal, Urin auch. Bewegung normal und sehr schnell

 

 

19.00 Uhr

Medizingabe

 

AB, Panacur

21.30 Uhr

Medizingabe

 

Ney Troph Tropfen

22.52 Uhr

hoppelt, fällt nicht um; Käfig kommt weg, sie erhält nun einen abgegrenzten Teil im Gehege, getrennt von den anderen, aber mit Schnupperkontakt

Kräuter gefressen

 

23.00 Uhr

Kopf unverändert schief

Kräuter gefressen

 

Tag 8

 

 

 

5.20 Uhr

erscheint zur Fütterung zum 1. Mal, hat über Nacht ein wenig gefressen

Kräuter gefressen

 

16.30 Uhr

zeigt Interesse am Fressen, kommt sofort

Karottengrün gefressen, jedoch Fenchel + Apfel vom Morgen immernoch im Gehege

 

17.50 Uhr

zeigt Interesse am Fressen, Teppich wird umgegraben, wieder ausruhen im liegen

Rosine neugierig beschnuppert, aber verweigert

 

18.30 Uhr

Medizingabe

 

AB, Panacur Vitamin B

20.35 Uhr

träge rumliegend, 10 Min. Anfassen war erlaubt

Gurke gefressen mit wenig Salz drauf

 

23.00 Uhr

lag komplett auf der Seite im Käfig wie tot !!! Hat Streicheln zugelassen, Ohren leicht kühl; Kopf etwas schiefer geworden

Karottengrün gefressen, Gurke, 2 Heuhalme gemümmelt

 

Tag 9

 

 

 

5.20 Uhr

zeigt Neugierde, bleibt aber liegen

Über Nacht kein Frischfutter angerührt, frisst aber nun Karottengrün und Löwenzahn

 

16.30 Uhr

 

sehr viel Löwenzahn gefressen, Karottengrün komplett weg und 1 Gurkenstück

 

18.00 Uhr

Medizingabe

 

AB, Panacur

19.00 Uhr

Paula zu den anderen für wenige Stunden ins Gartengehege gesetzt, sie hoppelt rum, legt sich zu den anderen, läßt sich von Lucy putzen

3 Haselnussblätter und wenig frisches Gras

 

20.15 Uhr

Zurück in ihrem Innengehegeteil

Sellerieblätter gefressen

 

22.20 Uhr

rechtes Auge wieder unruhig, liegt jedoch entspannt ansonsten und atmet normal. Darf gestreichelt werden, Ohren kühl, Köttel z.T. größer als die Tage zuvor

Sellerieblatt, Karottengrün

 

Tag 10

 

 

 

5.20 Uhr

 

Sellerieblätter gefressen, Birne nicht angerührt

 

15.00 Uhr

macht besseren Eindruck, Köttel größer

Petersilie und Sellerie sind gefressen, ebenso Löwenzahn

 

17.00 Uhr

beim Tierarzt: sehr zufrieden mit ihrem Zustand, auf Waage 1,7 kg (vor e.c. Ausbruch waren es 1,8 kg)

 

Vitamin B, AB Kochsalzinfusion Panacur

17.45 Uhr

alle Kaninchen zusammen im Garten laufen lassen, Paula fast normal, kuschelt mit allen, frisst gut, kein Umfallen, Kopf besser

 

 

19.30 Uhr

 

4 Haselnussblätter, 2 Apfelbaumblätter

 

22.56 Uhr

Atmung ruhig, liegt entspannt

 

 

Tag 11

 

 

 

9.15 Uhr

sieht deutlich besser aus

frisst wenig Trockengemüse und Heu

 

10.00 Uhr

alle Kaninchen zusammen im Garten laufen lassen, Paula bewegt sich sehr gut

Haselnussblätter

 

13.10 Uhr

sehr neugierig, bewegt sich viel

 

 

17.00 Uhr

Medizingabe

 

AB, Panacur

20.00 Uhr

 

frisst Karotte und wenig Gurke

 

Tag 12

 

 

 

9.50 Uhr

Kopf noch immer leicht schief, aber sie kommt wenn alle Nins sich sammeln

frisst wenig Trockengemüse und Heu

 

11.00 Uhr

 

Löwenzahn

 

20.40 Uhr

Medizingabe

 

AB, Panacur

Tag 13

beim TA: sehr zufrieden

 

Vitamin B, AB Kochsalzinfusion Panacur

Tag 14

 

 

 

05.20 Uhr

kommt mit allen zum "frühstücken"

frisst gut und zwar alles wie auch zuvor (Trockengemüse, Heu usw)

 

17.00 Uhr

 

 

AB, Panacur

Tag 15

 

 

 

 

Verhalten normal, Kopf besser

frisst normal

 

Tag 16

Verhalten normal, Kopf besser

 

Panacur (insgesamte Dauer der Eingabe ab Erkrankung 25 Tage)

Meine persönlichen Ratschläge:
  • Im 1. Step Trennung vom Partner/der Gruppe, sofern es angegriffen werden sollte. Ansonsten keine Trennung notwendig
  • Möglichst eine Umgebung schaffen, in denen es sich ggf. durch eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten nicht verletzen kann.
  • Führung eines "Tagebuchs" insbesondere mit Augenmerk auf Fressverhalten und Köttel.
  • -Gewichtskontrolle, um ggf. Zwangsernährung mit Critical Care zu beginnen.
  • Vorm 1. Tierarztbesuch ggf. Bericht von Frau Dr. Birgit Drescher ausdrucken und dem Tierarzt übergeben, sofern er bislang    keine Erfahrung in der Behandlung mit e.c. hatte.
  • Selbst versuchen, ruhig zu bleiben, das Tier zwar beobachten, aber nicht ständig belagern und stören.
  • Lieber einmal zu viel zum Tierarzt, als zu wenig (ich war anfangs 2 x wöchentlich beim Doc mit Paula, bei Lucy sogar 3 x wöchentlich).

Die angegebenen Medikamente sollten nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Tierarzt verabreicht werden!

© SonjaT

 

Weitere hilfreiche Links:

www.headtilt.de - Unbedingt lesen!

Enzephalitozoonose beim Kaninchen

Ataxie der Hinterhand von Vetimpulse

Die Encephalitozoon cuniculi-Erkrankung beim Heimtierkaninchen. Eine potentielle Zoonose? von Dr. Thomas Göbel    

Evaluierung von Liquorpunktion und PCR zur klinischen Diagnose der Enzephalitozoonose beim Kaninchen von Dr. Ariane Jass

Kann Enzephalitozoon cuniculi mit Pyrimethamin behandelt werden?

Frischfutterliste mit Kalziumangaben

Video (Teil 1 u. Teil 2) eines an e.c. erkrankten Kaninchens von Kyra

Mut-mach-Berichte

ec-Kaninchen.de Informationen und Erfahrungen 

Kennt ihr Tierarzt die Behandlung für ec nicht?

Fokusthema "Encephalitozoon (E.). cuniculi"

© 2005 Kaninchenforum.com

 

Letzte Aktualisierung ( 4. May 2010 18:37 )
 
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