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Erkennen von Krankheiten, Erste Hilfe und eine kleine Notfallapotheke Drucken
23. February 2007 23:29

Kaninchenhalter sollten ihre Kaninchen tagtäglich gut beobachten und studieren - schon kleinste Abweichungen im Verhalten können auf Krankheiten hindeuten. Frisst ein Kaninchen z.B. nicht in der gewohnten Reihenfolge sein Futter, kann es darauf hindeuten, dass es Probleme mit den Zähnen hat und zunächst das weiche Futter frisst. Liegt ein Kaninchen nicht mehr in der Art und Weise wie es das immer tut, kann das auf Probleme im Verdauungstrakt hindeuten. Kratzt es sich häufiger als sonst, können Hautprobleme die Ursache sein.
Die wild lebenden Artgenossen unserer Kaninchen kämpfen instinktiv dagegen an, Gebrechen zu zeigen - würden sie das nicht tun, wären sie schnell Futter für ihre Feinde oder würden auch an Rang im Rudel verlieren. Dieses Verhalten steckt auch in unseren Hauskaninchen und so wird es uns sehr schwer gemacht zu erkennen, ob eine Krankheit vorliegt und ärztliche Hilfe nötig ist.
Bemerkt man nun also solch eine Abweichung im normalen Verhalten, sollte man immer sofort einen Besuch beim Tierarzt in Erwägung ziehen. Denn in der Regel hat das Kaninchen eine Krankheit schon so lange versteckt, dass das Stadium höchst akut sein kann. Erkrankungen im Verdauungsbereich, die häufig durch falsche Fütterung (vor allem mangelnde Heuaufnahme) verursacht werden, können innerhalb kürzester Zeit zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Bei der Erwägung, ob man zum Tierarzt geht, dürfen weder Uhrzeit und Zeitaufwand, noch die möglichen Kosten eine Rolle spielen. Genauso wenig darf man sich Gedanken darüber machen, ob man vom Tierarzt unter Umständen belächelt wird, weil man sich um sein Tier sorgt und deshalb schnell handelt. Man selbst kennt seinen Hausgenossen am allerbesten - auch Anzeichen, die zunächst für einen Tierarzt als gering eingeschätzt werden, können doch Hinweise auf Krankheiten sein, die man auf Grund der genauen Beobachtung im Vorfeld erkannt hat.

Im Folgenden sind ein paar Beispiele aufgeführt, die aber in keinster Weise eine Aufzählung aller Kaninchenerkrankungen und Therapien ist. Am aufschlussreichsten und sichersten ist immer ein Tierarztbesuch infolge der eigenen Beobachtung und Kenntnis seines Tieres!
Die genannten Medikamente sind bewusst nicht in einer Liste aufgeführt, da eine selber durchgeführte Behandlung und Medikation wirklich nur gemacht werden sollte, wenn man sich sicher ist, die Situation im Griff zu haben. Kaninchen können äußerst empfindlich sein und viele Beschwerden die uns als Lapalie erscheinen, können ein Kaninchen das Leben kosten. Nur eines sollte immer zuoberst in der Notfallapotheke liegen: die Nummer eines guten Tierarztes der sich mit Kaninchen auskennt und die des Bereitschaftdienstes. Einige der genannten Medikamente sind homöopathische Mittel und Bachblüten - diese alternativen Heilmethoden bedürfen in der Anwendung genauerer Studien im Vorfeld.

Mein Kaninchen frisst nicht mehr
Sobald sich ein Kaninchen nicht wie gewohnt über das angebotene Futter hermacht, muss das ganze Augenmerk darauf gerichtet werden. Zunächst kann man versuchen dem Kaninchen sein absolutes Lieblingsfutter anzubieten. Nimmt es auch das nicht, sollte man schnellstmöglich zum Tierarzt. Wenn ein Kaninchen die Nahrungsaufnahme einstellt, liegen in der Regel schwerwiegende Ursachen zu Grunde und es hat vermutlich starke Schmerzen.
So liegen z.B. bei zusätzlichen Anzeichen wie einem harten und aufgeblähten Bauch starke Verdauungsprobleme zu Grunde - es muss sofort gehandelt werden. Nur der Tierarzt kann genau bestimmen, ob es sich um Trommelsucht oder Verstopfung handelt. Bei der Behandlung von solchen Krankheiten kommt es auf jede Minute an. Auf dem Weg zum Tierarzt sollte man sich schon in Ruhe überlegen, was die möglichen Ursachen sein könnten - z.B. ungewohntes Futter, falsches Futter oder zuviel Futter. Auch Anzeichen, wie die Beschaffenheit des Kots (fest, weich, Durchfall), sind für die Diagnose wichtig.
Bei Trommelsucht und Magenaufgasung darf niemals Wärme als Therapie angewendet werden, da Wärme den Gärprozess im Magen fördert.

Die Ausscheidungen meines Kaninchens sind verändert
Werden die Küttel immer kleiner und härter, deutet das auf eine Verstopfung hin. Frisst das Kaninchen noch normal, kann man über einen kurzen Zeitraum hinweg versuchen, die Verdauung wieder auf Trab zu bringen. Trockenfutter und Getreide sind ab sofort verboten - das Kaninchen darf nur noch Heu fressen. Frischfutter in der gewohnten Menge muss verfüttert werden, da der Magenbrei bei Verstopfung sowieso schon zu trocken ist. Man darf aber nie die Mengen schlagartig vergrößern - das kann unerwünschte Folgen haben. Beim Verdacht auf zuviel Fell im Magen, kann Maltpaste gegeben werden. Mit einer nadellosen Spritze kann man kleine Mengen Lein- oder Paraffinöl seitlich ins Mäulchen eingeben (Vorsicht! Nie zu große Mengen aufeinmal einflößen - das Kaninchen könnte das Öl in die Luftröhre bekommen!). Zur Anregung der Verdauung kann das Trinkwasser gegen Tee (z.B. Fenchel, Kümmel, Anistee) vertauscht werden. Mit homöopathischen Medikamenten wie Nux Vomica kann man auch unterstützend eingreifen. Frisch gepresster Ananassaft kann Haarballen lösen. Die beim Tierarzt erhältliche Paste "BirdBeneBac" unterstützt den Normalisierungsprozess - die Paste enthält Bakterien, die die Darmflora verbessern und wiederaufbauen. Verbessert sich die Verdauung nicht deutlich oder verschlechtert sie sich sogar, muss ein Tierarzt das Kaninchen untersuchen und die notwendige Medikation einleiten. Es ist hilfreich ein paar frische Küttelchen einzusammeln, damit der Tierarzt sich ein Bild machen kann.

Werden die Küttel weich oder hat das Kaninchen sogar Durchfall, ist eine absolute Heudiät das A und O. Frischfutter sollte weggelassen werden. Die Ursache des Durchfalls muss ergründet werden - hat das Kaninchen verdorbenes Futter gefressen? Hat es ungewohnt viel Frischfutter bekommen? Hat es ein ungewohntes oder falsches Futter gefressen? Auch hier kann das Trinkwasser durch Tee (z.B. Kamille, zweiter Aufguss von Schwarzem Tee) ersetzt werden. BirdBeneBac unterstützt die gestörte Darmflora und homöopathische Medikamente wie Nux Vomica können gegeben werden. In Wasser gekochter Reis kann abgekühlt in kleinen Mengen verfüttert werden. Ändert sich der Zustand nicht oder ist der Durchfall von Anfang an sehr stark, muss man zum Tierarzt. Die Ursachen für Durchfall sind vielfältig. Auch hier sollte eine Kotprobe zum Tierarzt mitgenommen werden - die Kotprobe kann auf Parasiten und Würmer hin untersucht werden. Bei Durchfall ist besonders darauf zu achten, dass das Kaninchen ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt, da der Flüssigkeitsverlust groß ist.
Die möglicherweise stark beschmutzte Afterregion des Kaninchens muss sauber gehalten werden. Vor allem bei sommerlichen Temperaturen muss genau kontrolliert werden, ob Fliegen ihre Eier in die feuchten Kotreste im Fell setzen - die geschlüpften Maden fressen sich in die Haut des Kaninchens, was sehr schnell zum Tode des Tieres führen kann. Das Kaninchen darf aber niemals ganz gebadet werden - nur die beschmutzten Stellen werden mit einer milden Seifenlauge (z.B. Babyshampoo oder spezielle Shampoos die beim Tierarzt erhältlich sind) gereinigt. Selbstverständlich müssen auch Käfig und Kaninchenklo peinlich sauber gehalten werden.

Sind Auffälligkeiten beim Harnabsatz des Kaninchens zu beobachten (Blut im Urin, häufig kleinere Urinmengen, ständig feuchter Po, vermehrtes Harnsediment), sollte das Kaninchen von einem Tierarzt auf mögliche Blasenentzündungen oder Harnsteine hin untersucht werden.

Mein Kaninchen kratzt sich häufiger als gewohnt
Bemerkt man auffälliges Kratzverhalten, müssen das Fell und die Ohren untersucht werden. Für häufiges Kratzen können Parasiten wie Milben, Haarlinge oder Flöhe verantwortlich sein. Kreisrunder Ausfall von Fell deutet auf einen Hautpilz hin. Die Behandlung gehört in die erfahrenen Hände des Tierarztes. Werden mehrere Tiere gehalten, müssen alle Tiere untersucht und behandelt werden. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Tiere im selben Käfig oder verschiedene Tierarten zusammen gehalten werden. Bitte schauen Sie hierzu auch unter Kaninchenweb nach! Ganz wichtig: Kein Frontline verwenden, dies kann für ihr Kaninchen tödlich enden!

Schnupfen
Zeigt ein Kaninchen Anzeichen einer Erkältung, muss der Tierarzt besucht werden. Ein Schnupfen beim Kaninchen ist nicht mit einer Erkältung beim Menschen zu vergleichen. Deutliche Hinweise sind häufiges Niesen, verklebte Pfoten, Nasenausfluss, entzündete Augen.

Kreislaufbeschwerden
Ist das Kaninchen matt oder sogar ausgekühlt, sollte dringend der Tierarzt besucht werden. Nicht entdeckte Krankheiten können das Tier geschwächt haben oder das Tier hat einen Hitzschlag (das Tier bitte sofort in den Schatten bringen - zur Kühlung können die Ohren leicht befeuchtet werden). Bitte nie auf Verdacht eine Rotlichtlampe verwenden - liegt beispielsweise eine Aufblähung des Magens zu Grunde, würde das Rotlicht nur schaden. Im äußersten Notfall kann versucht werden, dem Tier eine kleine Menge koffeinhaltigen Kaffees einzuflößen. Außerdem kann man Rescuetropfen (Bachblütentherapie, in Apotheken erhältlich) eingeben oder auf die Ohren tupfen. Tropfen wie Crataegutt (beim Tierarzt und in Apotheken erhältlich) helfen bei Kreislaufbeschwerden. Hat man den Eindruck, dass das Tier einen Transport zum Tierarzt nicht übersteht, muss man mit dem Tierarzt eine Lösung aushandeln und versuchen, den Tierarzt zu einem Hausbesuch zu bewegen, was sich leider recht schwierig gestalten kann.

Verletzungen
Hat ein Kaninchen durch Kämpfe oder andere Ursachen Verletzungen davongetragen, muss man entscheiden, ob sie einer Behandlung bedürfen. Kleinere Macken im Fell heilen in der Regel gut und ohne fremdes Zutun ab, man muss den Heilungsprozess aber lange und sorgfältig beobachten (zur Unterstützung des Heilungsprozes kann die in Apotheken erhältliche Rescuesalbe auf die Wunden aufgetragen werden). Es können Infektionen entstehen und schon äußerlich abgeheilte Wunden können Abszesse nach sich ziehen. Besonders in der warmen Sommerzeit muss man gut beobachten, ob Fliegen ihre Eier in offene Wunden ablegen - was schnell zum Tode des Kaninchens führen kann.
Kleinere Verletzungen an empfindlichen Körperstellen, wie z.B. an den Augen, größere Verletzungen und Knochenbrüche, sollten dem Tierarzt vorgestellt werden. Für die Erstversorgung von Wunden, die mit Blutverlust verbunden sind, greift man auf Verbandsmaterial aus der eigenen Hausapotheke zurück. Machen die Tiere einen verstörten Eindruck, können unterstützend Rescuetropfen gegeben werden.

© Stephanie Wehner

© 2003 Kaninchenforum.com

Letzte Aktualisierung ( 7. October 2009 07:42 )
 
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