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Erste Hilfe für (Zwerg)kaninchen Drucken
23. Februar 2007 23:28

Geschrieben von: Maren

Zuerst möchte ich sagen, dass es immer das beste fürs Tier ist, mit ihm zum Tierarzt zu gehen, um Schmerzen und mögliche Fehldiagnosen aus eigener Hand zu vermeiden!!!

Die wichtigste Regel bei Notfällen aller Art, auch wenn es schwer fällt, ist: Ruhe bewahren! Da die meisten Unfälle nachts oder am Wochenende passieren, sollte man wissen, wie der Nacht- und Wochenenddienst des Tierarztes geregelt ist.

Die wichtigste Betreuung eines kranken oder verletzten Kaninchens besteht darin, ihm Flüssigkeit zu verabreichen, um Dehydrationen (Entzug von Wasser) zu vermeiden, die sehr schnell eintreten können.

Kleine Wunden können, falls notwendig, mit etwas leichtem Desinfektionsmittel und einem nicht fusselndem Tuch gereinigt werden. Wenn kein Desinfektionsmittel zur Hand ist, tut es auch klares, warmes Wasser. Auf keinen Fall Salbe auftragen, denn sie verklebt die Haare und ist für den TA wieder schwierig zu entfernen.

Bei größeren Wunden mit starken Blutungen einen Druckverband anlegen, bevor man zum TA fährt.

Knochenbrüche sind bei Kaninchen recht häufig und müssen natürlich immer tierärztlich versorgt werden. Bitte nicht versuchen, ein merkwürdig abstehendes Bein selbst zu schienen. Dem Tier kann dabei schnell sehr weh getan werden. Wichtig ist noch: das verletzte Kaninchen in eine Transportbox setzen, in der es sich nicht allzu sehr bewegen kann.

Liegt der Verdacht vor, dass das Kaninchen etwas Giftiges gefressen hat, ist es empfehlenswert, den Stoff oder Teile der Pflanze, die verdächtig sind, mit zum TA zu nehmen. Er kann sich dann ein besseres Bild von der Vergiftung machen.

Von Insektenstichen sind meist die Tiere betroffen, die oft im Freien sind. Am besten, man kühlt die Stelle mit einem kleinen Eisbeutel. Spezielle Insektenstichsalbe hilft meist nicht, da sie durch das Haarkleid gar nicht bis auf die Haut gelangt. Ein Besuch beim TA ist aber trotzdem ratsam, vor allem, wenn das Tier allergische Reaktionen zeigt.

Erste Hilfe - Maßnahmen bei leichteren Gesundheitsstörungen

Bei Unpässlichkeiten und leichten Gesundheitsstörungen sollte möglichst sofort etwas dagegen getan werden. Aber auch trotz der Selbsthilfe gilt: zum TA - denn sicher ist sicher!

Hier einige Ratschläge:

Leichter Durchfall (bei ungestörtem Allgemeinbefinden): öfters das Einstreu wechseln und für Wärme sorgen. Nur lauwarmen Kamillentee und eine Diät aus Heu,  und / oder gekochten, ungesalzenen Reis anbieten. 
mögliche Ursachen: 
Infektionen
verdorbenes Futter
ungewohnt viel Grünfutteranteil
Darmparasiten
Wenn der Durchfall nach spätestens zwei Tagen nicht vorbei ist, den TA aufsuchen. Empfehlenswert ist auch hier, eine Kotprobe mitzunehmen.

Leichte Verstopfung: kein Trockenfutter mehr geben, dafür viel zu trinken, z.B. Kümmeltee. Man kann auch versuchen, dem Kaninchen vorsichtig(!) mit einer Spritze (natürlich ohne Nadel) etwas Leinöl einzuflößen. Wichtig ist jetzt auch, sich intensiv mit dem Tier zu beschäftigen, dass es möglichst viel Bewegung bekommt!. Zur Unterstützung der Darmtätigkeit, speziell wenn es mit der Bewegung nicht so gut funktioniert, sollte man vorsichtig den Bauchbereich des Tieres massieren. 
Wenn sich nach 24 Stunden keine Besserung einstellt: sofort zum TA

Reizschnupfen: alle möglichen Ursachen beseitigen, z.B. staubiges Heu oder ätzende Putzmittel, die Gase entwickeln. Im Zweifelsfall sofort zum TA. 

Kaninchenschnupfen (Pasteurellose): wird meist durch Bakterien verursacht, ist sehr ansteckend und endet häufig tödlich. Diese Krankheit bedarf immer einer Behandlung mit Antibiotika. Gegen bestimmte Schnupfenerreger gibt es aber die Möglichkeit einer Schutzimpfung. Bei ersten Anzeichen sofort zum TA. 

Hitzschlag: hier muss rasch gehandelt werden! Das Tier (flachatmend , am Boden kauernd) sofort in den Schatten bringen und zimmerwarmes Wasser anbieten. Mit feuchten, nie eiskalten Umschlägen, zuerst den Kopf, dann die Läufe kühlen. Zur Stärkung des Kreislaufs Bohnenkaffee einflößen: Jungtiere ½ Teelöffel, erwachsene Tiere 1 Teelöffel. auch gilt: zum TA! 

Ektoparasiten: leben auf den Tieren, z.B. Flöhe, Läuse, Haarlinge, Milden Zecken und Ohrmilben. Sie lösen meist Juckreiz mit Schuppen und Krustenbildung aus. Um die Kaninchen behandeln zu können, muss ein TA eine genaue Diagnose stellen. 

Endoparasiten: leben im Körper eines Tieres, z.B. Würmer. Der TA muss eine Kotuntersuchung vornehmen. Hinweise auf Endoparasiten können Dauerdurchfälle, ein aufgetriebener Bauch und Abmagerung sein. 

Ekzeme: können von Ektoparasiten hervorgerufen werden, aber auch bakteriell oder pilzbedingt sein. Sie sollten vom TA untersucht werden. Bei Hautpilzen ist besondere Vorsicht geboten, denn sie sind auf den Menschen übertragbar, und gerade Kleinkinder sind besonders anfällig. 

Haarausfall: ist im Herbst und Frühjahr ganz normal, die Tiere müssen regelmäßig gebürstet werden. Haarausfall an Bauch und Hals kann bei Häsinnen auf eine Trächtigkeit oder Scheinträchtigkeit hinweisen, weil sie sich die Haare ausrupfen und ein Nest bauen. 
Während des Fellwechsels empfiehlt sich eine sogenannte "Maltpaste", die man in renommierten Zoohandlungen erhalten kann. Sie dient der Verhinderung von Haarballen im Magen des Tieres, welche auch tödlich ausgehen können. Am besten, man schmiert dem Kaninchen zur Vorbeugung einmal die Woche ca. 1cm Maltpaste auf die Pfote. Wenn es so nicht funktionieren sollte, kann man es dem Tier auch mit Hilfe einer Einwegspritze (ohne Nadel!!) ins Mäulchen flößen.

Trommelsucht: kann durch in der Wärme gegorenes, nasses oder zu kaltes (aus dem Kühlschrank verfüttertes) Grünfutter sowie blähende Futtermittel ausgelöst werden. Der Leib des Kaninchens ist aufgedunsen, in diesem Fall durch Gasbildung im Darm. Das Tier hat Atemnot , es versucht sich hinzulegen, schafft dies aber nicht, da es Druckschmerzen spürt. Sofort jegliches Futter entfernen und einen TA aufsuchen. Trommelsucht endet oft tödlich, es ist also Eile geboten! 

Tumore: plötzliche Verdickungen sollten vom TA kontrolliert werden, denn nur er kann erkennen, ob es sich um Abszesse oder wirklich um Tumore handelt. 

Zahnprobleme: Alarmzeichen hierfür sind:
Veränderungen im Fressverhalten
tränende Augen
übermäßiges Speicheln
nasses Kinn

Die Zähne müssen vom TA mit speziellen Geräten untersucht werden. Ausgeprägte Zahnfehlstellungen sind nicht heilbar und Behandlungen müssen meist in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

Augenentzündungen: zuerst muss kontrolliert werden (am besten vom TA), ob nicht ein Stückchen Heu oder ein anderer Fremdkörper hinter dem Lid festsitzt. Dadurch kann das Auge gereizt werden und es kann dazu führen, dass es tränt, sich entzündet, eitert oder verschlossen gehalten wird. (Tränende Augen können auch ein Anzeichen für Kaninchenschnupfen oder Zahnprobleme sein). 
Probleme mit Augen sind immer ein Fall für den TA.

Abmagerung: kann viele Ursachen haben, z.B. Verdauungsstörungen, Zahnprobleme, Würmer, aber auch psychische Ursachen (z.B. wenn ein Tier sehr unter der Dominanz des anderen leidet). Um die Ursachen festzustellen, sollte man zum TA. 

Übergewicht: entsteht durch falsche Haltung und zu wenig Bewegung. Empfehlenswert ist es, eine passende Diät mit dem TA abzusprechen, selber Fastentage einzulegen ist sehr schädlich für das Tier. 
Folgeerscheinungen: Blasensteine, Verdauungsprobleme, wunde Läufe, Geschwüre an den Ballen

Erste Hilfe für Kaninchen kurz zusammengefasst

  • für Notfälle die Nummer vom TA bereit halten 
  • ruhig und vorsichtig nähert man sich dem verletzten Kaninchen, um keine Abwehr- oder Fluchtreaktionen zu provozieren 
  • ein bewusstloses Kaninchen auf die Seite legen und den Kopf strecken, damit die Atemwege frei bleiben 
  • die Atmung kontrollieren, indem man eine Hand auf den Brustkorb legt 
  • der Herzschlag wird auf der linken Brustseite hinter dem Ellenbogen ertastet 
  • bei schweren Blutungen einen Druckverband anlegen, aber nicht abbinden! Am besten ein sauberes Tuch oder Mullkompressen verwenden, niemals Watte! 
  • Ruhe bewahren und besonnen vorgehen, auch wenn's schwerfällt!!! 

© Maren Monsees

Quellen: "Alles über Zwergkaninchen", Michael Mettler, (Falken)

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Letzte Aktualisierung ( 13. August 2008 10:33 )
 
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