| Diabetes mellitus – Zuckerkrankheit |
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| 23. Februar 2007 23:16 | |
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Diabetes mellitus ist ein Sammelbegriff für eine verschiedenartige Gruppe von Störungen des Stoffwechsels der Kohlenhydrate – also Zucker. Kohlenhydrate sind ein wichtiger Grundnahrungsstoff – es gibt einfache und komplexe Zucker. Fachlich heißen sie Monosacharide – das ist z.B. Glucose, im Volksmund Traubenzucker genannt (was nicht ganz stimmt), Disaccharide – das ist zum Beispiel der Zucker, den wir zum Süßen benutzen (Saccharose); dazu gehören unter anderen Rüben-, Rohr-, Milch- u. Malzzucker; oder aber Polysaccharide – das sind die komplizierten und diese schmecken nicht mehr süß – z.B. Zellulose oder Stärke. Es spielt eine große Rolle im Ernährungsprogramm der zuckerkranken Tiere, ob sie überwiegend Mono-, Di- oder Polysaccharide zu sich nehmen. Die Mono- und Disaccharide sind für ein diabetisches Kaninchen verboten. Diese Zuckerformen erhöhen nämlich zu schnell den Glucosespiegel im Blut. Dieser kann in solche Werte hochschießen, dass es zum diabetischen Koma führen kann. Die Polysaccharide, wie z.B. Zellulose, bestehen aus langen Ketten, die relativ langsam im Verdauungsprozess auseinanderfallen. Somit können die starken Schwankungen im Glucosespiegel im Blut vermieden werden. Von den Körperzellen können nur freie Monosaccharide aufgenommen werden – also die einfachste Zuckerform. Di- und Polysaccharide werden im Darm durch Verdauungsfermente in die einfachen Zuckerformen (Monosaccharide) gespalten und in die Blutbahn abgegeben. Für die Körperzellen ist es sehr wichtig, dass ein konstanter Zuckerspiegel (Glucosespiegel) im Blut herrscht. Bei Kaninchen sind es 64 bis 134 mg/dl ( 3,55 – 7,44 mmol/l ). Die Verdauung der Kohlenhydrate beginnt schon in der Mundhöhle. Dort wird die Nahrung zerkleinert und mit Hilfe von Speichel verflüssigt. Im Speichel befindet sich schon ein Verdauungsenzym, das die Aufspaltung von Stärke (Polysaccharid) beginnt. Die Zuckerkrankheit ist eine Erkrankung, die sich durch einen zu hohen Blutzuckerspiegel bemerkbar macht. Es ist die Unfähigkeit des Organismus, den Zucker ausreichend im Stoffwechsel zu verwerten. Ursache ist die Minderproduktion (ganz oder teilweise) von Insulin. Insulin ist ein Hormon, das in den sogenannten "Langerhansschen Inseln" der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert wird. Insulin senkt die Blutzuckerkonzentration, indem es die Durchlässigkeit der Zellwände für Glukose erhöht (hauptsächlich im Muskel- und Fettgewebe). Somit wird die Glukose in Form von Glykogen (Polysaccharid – sog. Tierstärke) in der Leber, in den Muskeln und Fett gespeichert. In der Humanmedizin gibt es eine Klassifizierung des Diabetes mellitus in - Primärer Diabetes mellitus Typ I: Insulinabhängiger D.m. (Insulinmangeldiabetes) Typ II: Insulinunabhängiger D.m. (Altersdiabetes; durch Resistenz gegen Insulin im Körpergewebe oder Mangelproduktion dieses Hormons) - Sekundärer Diabetes mellitus infolge von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, oder z.B. verursacht durch verschiedene Substanzen, wie manche Medikamente, die Blutzucker erhöhen, oder hormonelle Störungen. Diese Klassifikation wird manchmal auch in der Tiermedizin übernommen, obwohl es umstritten ist. Die in der Tiermedizin durchgeführten Untersuchungen hatten meistens als Ziel, sich für die Humanmedizin nützlich zu machen. Die Berichte über Diabetes bei den Kaninchen stammen daher überwiegend aus den Versuchstierlabors, wo die Erkrankung des Tieres zwecks Forschung für Humanmedizin provoziert wurde. Ein spontanes Auftreten von Diabetes bei Kaninchen ist sehr selten! Diabetes mellitus kommt relativ häufig bei Hund und Katze vor (Hündinnen und Kater), bei Kleinsäugern liegen leider sehr wenig Informationen vor. Diabetes m. beim Kaninchen ähnelt dem Diabetes Typ II a des Menschen = Altersdiabetes. Bei Kaninchen, die an Diabetes mellitus erkranken, scheinen Umwelteinflüsse und eine genetische Prädisposition (familiäre Häufung) eine große Rolle zu spielen. Auch die entzündlichen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse können Diabetes auslösen. Die Untersuchungen der Bauchspeicheldrüse nach dem Tod der erkrankten Tiere zeigen eine Veränderung der Zellen, die für Insulinproduktion verantwortlich sind. Diabetes Typ II manifestiert sich schleichend und unbemerkt. Die Symptomatik, die auf eine Diabeteserkrankung hinweisen könnte: Übermäßiges Trinken - bis zu 1 l am Tag Polyurie, das heißt Ausscheiden von sehr viel Urin, womöglich unkontrollierter Harnabsatz. Die Tiere sind müde und apathisch, ihre Hauptbeschäftigung besteht aus Schlafen. Ein anderer Symptom kann ein Katarakt sein – das ist die Trübung der Linse des Auges - bis zur Erblindung. Koma und Tod sind möglich. Im Gegensatz zu anderen Tierarten zeigen Kaninchen keine Fettsucht, das heißt, obwohl sie normal oder sogar mehr fressen (Heißhunger), nehmen sie ständig ab. Es können verschiedene Hautveränderungen auftreten – die Tiere sind anfälliger für durch Pilze oder Bakterien verursachte Hautinfektionen. Auch die Harnwege können anfälliger für Infektionen werden. Zu spät erkannter und unbehandelter Diabetes m. führt zu Organveränderungen. Die Spätfolgen einer Diabeteserkrankung sind Leberdegeneration (Entartung) verbunden mit einer Entzündung, das Gleiche kann mit den Nieren passieren, auch die Bauchspeicheldrüse ist betroffen. Ganz viele der genannten Folgen basieren auf Blutgefässveränderungen, die durch Diabetes auftreten (schlechte Durchblutung = einfacher Weg für Krankheitserreger oder sogar manchmal Nekrosen = Absterben von Körperteilen, die durch feinste Blutgefäße versorgt werden). Es gibt in der Literatur keine Angaben über die Veränderungen von Blutparametern bei zuckerkranken Kaninchen. Bei Hunden und Katzen wurden folgende Veränderungen beobachtet: Anstieg der Leberenzyme, erhöhter Natrium-, Kalium-, Harnstoffspiegel Bei den Kaninchen sind diese Veränderungen jedoch nicht in jedem Fall beobachtet worden. Eine Harnuntersuchung ergibt einen sehr hohen Glucosespiegel (Teststreifen). Leider gibt es in der Literatur auch sehr wenig Angaben über die Therapie von diabetischen Kaninchen. Die empfohlenen Insulin-Dosen: 1-2 IE /kg Insulin lente in Form von subcutanen (unter die Haut) Spritzen, das 1x täglich. Empfehlenswerter wäre, die Insulinmenge auf zwei tägliche Gaben aufzuteilen. Dadurch könnte man erreichen, dass der Blutzuckerspiegel etwas konstanter bliebe. Das würde das Risiko der Unterzuckerung nach Insulingabe verringern, allerdings wären dadurch mehrere Blutzuckerkontrollen erforderlich. Das kann kompliziert werden bei so einem kleinen Körper – man hat nicht so viele geeignete Blutgefässe und soviel Platz zum Stechen (das ist ein paarmal am Tag). Bei den Tieren, die mit Insulin (einzige sinnvolle Therapie) behandelt werden, ist keine Sonderdiät erforderlich. Man soll bloß darauf achten, dass keine Mono- und Disaccharide verzehrt werden. Rohfaserreiche Ernährung ist sehr wichtig. Somit können die Schwankungen des Blutzuckerspiegels minimiert werden. Verboten sind alle Leckerlis, die mit Zucker und Honig verfeinert werden. Diese können übrigens auch bei einem gesunden Kaninchen Schaden anrichten. Empfehlenswert sind Heu, viel Grünfutter und alle Gemüsesorten. Obst kann den Blutzucker sehr schnell erhöhen. Die Tiere sollen viel Auslauf haben, weil ständige körperliche Bewegung auch sehr wichtig ist. Wie ich schon erwähnt habe, Diabetes mellitus ist bei Kaninchen eher eine Seltenheit. Man soll daher nicht jedes der o. g. Symptome überbewerten. Ein Kaninchen kann auch mal viel trinken, weil die Luft zu trocken ist (Heizungsperiode) oder das Wetter im Sommer zu gut ist, oder es hat zu viele Pellets gefressen, die dann durstig machen. Sollte allerdings ein Gewichtsverlust bei normaler Futteraufnahme stattfinden, ist das sicherlich aufklärungsbedürftig. Jeder Besuch beim Tierarzt, der umsonst ist, ist besser als der, der zu spät stattfindet. © Isabella Dobias Quellen: "Kleintierpraxis – Organ der Fachgruppe Kleintierkrankheiten der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft“ Mai '98 © 2006 Kaninchenforum.com |
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| Letzte Aktualisierung ( 12. Dezember 2008 10:29 ) |
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