Navigation
Willkommen
Aktuelles
Kaninchen FAQ
Forum
Tierärzte
Links
Das Team
Suchen
Kontakt
Impressum
Neue Einträge
Tierärzte
Erfahrungsberichte Amputation Drucken E-Mail
23. Februar 2007 23:04

Tiffs Hinterlauf-Amputation

Erfahrungsbericht von Nadine Degner (mariamagdalena)

An den Monat März 2006 habe ich weiss Gott nur schlechte Erinnerungen, denn meinem kleinen Schatz Tiff musste das Beinchen amputiert werden. Wie sich jeder Kaninchenfreund denken kann, ließ diese Nachricht meine Welt von einer auf die andere Minute zusammenbrechen. Um denjenigen Mut zu machen, die dasselbe oder ein ähnliches Schicksal erleiden müssen, möchte ich euch meine Erfahrungen mitteilen und euch von der Zeit vor und nach der OP berichten. Alles begann mit Tiffys Kastration, eigentlich ja mittlerweile ein Routineeingriff. Ich brachte Tiff an einem Mittwoch Morgen um 10 Uhr in die Praxis und konnte ihn dann gegen Mittag wieder abholen. Er war noch ganz benommen, aber alles schien gut gelaufen zu sein. Da er am nächsten Tag wieder fit und frech zu sein schien, beschloss ich, am Wochenende meinen Freund zu besuchen. Ich bettete ihn also auf Handtüchern und gab meinen Eltern ausdrückliche Instruktionen, was sie zu beachten hatten. Im Falle eines Falles schrieb ich ihnen alle Nummern von Tierärzten aus der Umgebung auf, die Bereitschaft hatten. Doch schon am Samstag Abend rief meine Mutter bei mir an, um mitzuteilen, dass Tiff eine kleine kahle Stelle am Füßchen hat. Sie meinte, er reisst sich die Haare aus. Natürlich habe ich nicht lang gezögert und sofort meinen Tierarzt angerufen, der mich dann auch beruhigte und mir sagte, das mache er nur, weil ihm die Wunde juckt und er nicht rankommt. Ich war also erstmal einigermaßen beruhigt, hatte aber trotzdem ein komisches Gefühl im Bauch. Als ich dann am Sonntag Abend gegen 21 Uhr wieder zu Hause ankam, bin ich selbstverständlich als erstes zu Tiff gerannt, um zu sehen, wie groß die Stelle eigentlich war. Ich dachte, mir fallen vor Schreck gleich die Augen aus, als ich das Beinchen sah. Die Stelle muss in kurzer Zeit viel größer geworden sein und noch dazu war sie Blut unterlaufen.

Leider unscharf, doch es lässt dennoch den Umfang erkennen!   

Ich hab mir sofort die Transportbox geschnappt, Tiff  reingesetzt, und mein Vater hat uns noch in der selben Minute  zum Dienst habenden Bereitschaftstierarzt gefahren. Die gute Frau hat ihm eine entzündungshemmende Spritze gegeben und meinte ebenfalls, er reisst sich das Fell aus, weil ihn die Wunde juckt.

Als ich am Montag Morgen Tiffys Beinchen ansah, war die Stelle ganz „ledrig“ und die Zehen waren vollkommen steif. Also fing dasselbe Spiel von vorn an. Tiff in die Transportbox und ab zum Tierarzt (zu dem, der ihn kastriert hat). Diesmal fiel die Diagnose plötzlich ganz anders aus. Das Bein ist abgestorben, und es muss am Ende der Woche (!!!) amputiert werden. Ich sollte Freitag wiederkommen. Der Hammer war, als er meinte, ich hätte Schuld daran: Das Tier muss ganz sicher irgendwo hängen geblieben sein. Da meine Zimmer vollkommen kaninchensicher sind, weiss ich, dass das nicht sein kann.

Nach dieser Diagnose hab ich natürlich erstmal Rotz und Wasser geheult, ich war am Boden zerstört und musste in diesem Zustand nun auch noch zur Arbeit. Zum Glück konnte ich früher gehen, um noch einen anderen Tierarzt aufzusuchen. Man kann ja nie wissen, ob nicht doch noch etwas zu machen ist. Außerdem konnte man quasi zusehen, wie das Bein immer weiter abstarb, aus dem Blutrot wurde langsam ein tiefes Schwarz.

Die nächste Ärztin erklärte mir dann, dass die Kaninchen abgestorbene Gliedmaßen „abstoßen“ und anfangen, sie anzuknabbern. Sie konnte mir also demnach auch keine Hoffnung machen und schickte mich nach Berlin zu Dr. Göbel. Mittlerweile war es schon 19 Uhr - ich musste mich also beeilen. Zum Glück hab ich einen tollen Vater, der mich auch am Abend noch bis nach Berlin fährt. Dr. Göbel hat meinen kleinen Schatz dann auch sofort untersucht, selbe Diagnose, nur andere Ursache. Er hat mir erstmal die Augen geöffnet. Ich war so erschrocken darüber, dass meinem Kleinen das Bein amputiert wird, dass ich gar nicht gemerkt hab, was die Ursache dafür ist: Der Tierarzt, der ihn kastriert hat, hatte seine Hinterbeine an den Tisch gebunden und dabei eine Schlinge zu fest gezogen, sodass die Blutzufuhr unterbrochen war. Und dieser Mistkerl wollte mir dafür die Schuld einreden, obwohl er wahrscheinlich genau wusste, dass der Fehler bei ihm lag.

Wir konnten Tiffylein gleich in der Praxis lassen, denn er stand am nächsten Morgen ganz oben auf der OP-Liste. Ihm wurde das komplette Bein abgenommen, damit er den Stumpf nicht belasten kann und somit riskiert, ihn wund zu laufen.

Ich war noch nie so aufgeregt und nervös wie an dem Morgen, an dem er operiert werden sollte. Die ganze Zeit wartete ich auf den Anruf aus der Praxis, dass alles gut verlaufen ist und ich ihn abholen kann. Der Anruf kam, aber abholen durfte ich ihn erst am nächsten (Mittwoch) Abend.

Ich war total nervös. Er sah mitgenommen aus und ganz abgemagert. Ich fragte mich, wie groß seine Schmerzen sind und wie die Nachbehandlung aussieht. Was soll ich machen, wenn er versucht, das Pflaster abzumachen? Oder, oder, oder… meine Fragen nahmen kein Ende.

Aber bei Dr. Göbel waren Tiff und ich in guten Händen. Er beantwortete meine Fragen und versuchte, mir Mut zuzureden.

Er gab mir Metacam (Schmerzmittel) und Baytril mit, wovon ich Tiff jeden Abend und Morgen direkt ins Mäulchen spritzen sollte. Zur Vorsorge gab er mir auch gleich ausreichend Bird Bene Bac mit für die Dauer der Medikation.

Auf dem Foto sieht man glaub ich ganz gut, wie mitgenommen wir beide sind (und wie ungewohnt es ist, ein Kaninchen mit nur drei Beinen zu halten).

Die nächsten zwei Tage hat Tiffy weder Gurke noch Möhre oder Brokkoli angesehen. Er wog zu dem Zeitpunkt keine 700 Gramm mehr, und ich hab mir ernsthaft Sorgen gemacht. Dr.Göbel meinte, wenn er bis Freitag nicht anfängt zu fressen, soll ich zufüttern.

Zum Glück hatte ich am Freitag sowieso einen Termin bei der Tierärztin, die mich an Dr. Göbel überwiesen hatte. Nachdem sie krampfhaft versucht hat, das OP-Pflaster zu lösen, was aufgrund des vielen OP-Klebers nicht vollständig möglich war, gab sie mir eine Halskrause, damit der kleine Stinker gar nicht erst versuchen kann, die Narbe zu lecken, und weiterhin bekam ich Critical Care mit, damit der kleine Kerl wieder zu Kräften kommt. Das OP-Pflaster hinterließ leider auch seine Spuren. Tiffy hatte ganz ausgerissene blutige Haut, und zwar an den Stellen, an denen besonders viel Kleber gewesen war. Diese Stellen musste ich mit Bepanthen eincremen, ganz vorsichtig, damit die Narbe nichts abbekommt, denn die sollte auf jeden Fall trocken bleiben, damit sie nicht anfängt zu "suppen". Zum Schutz sprühte die Tierärztin ihm noch eine Ladung Aluspray auf die Wunde (von dem Zeug hatte er bis vor wenigen Wochen (August 2006) noch was). So hatte ich den ganzen Tag damit zu tun, Tiff zu versorgen, zu füttern, zu salben und ihm gut zuzureden, dass alles wieder gut wird.  

"Menno!!! Erst klaut ihr mir ein Bein und dann bekomm ich auch noch so'n olles Ding.. damit kann ich nicht laufen :-("

Und so war es auch:

Schon kurze Zeit später fraß Tiffy wieder, als hätte er Jahre nichts zu essen bekommen, und hatte innerhalb weniger Wochen wieder sein Normalgewicht von ca. 950 Gramm. Er gewöhnte sich super schnell daran, dass er nun "nur noch" drei Beine hat, flitzt wieder umher und springt von Betten. Er musste zwar noch einige Male zu Nachuntersuchungen, aber dafür ist er jetzt der gekrönte Liebling in meiner neuen Tierarztpraxis des Vertrauens.

Kosten

Für diejenigen, die es interessiert, die Behandlungskosten mit OP, Nachuntersuchungen und Medikamenten beliefen sich auf ca. 300 - 350 €, aber es hat sich jeder Euro gelohnt.

Und das Ende vom Lied: Ich hab ihn nun noch lieber als vorher… so ein Ereignis verbindet. Hätte ich vorher gewusst, wie glücklich der kleine Mann auch mit drei Beinen sein kann, wäre mir wohl so manche tränenreiche Nacht erspart geblieben. 

Ich hoffe, ich konnte euch, deren Nins etwas Ähnliches zugestoßen ist, etwas Mut machen. Macht euch keine Vorwürfe, so etwas kann jederzeit passieren. Euer Nin braucht euch jetzt ganz besonders stark.

Hier noch ein kleines Flitzebildchen von Tiffylein voll in Action, hehe: 

"Hey Celina,, warte doch mal"

Falls sonst noch Fragen unbeantwortet geblieben sind, schreibt mir einfach eine PN mariamagdalena

Alles Liebe euch und den dazugehörigen  Fellnasen!

 

 

 Eine Dreibeinsgeschichte

Erfahrungsbericht von flora58

Nun möchte ich euch von Primelchen, einer kleinen, 1000 Gramm schweren dreibeinigen Dame erzählen.

Sie wurde Anfang Oktober 05 in der Praxis meiner Tierärztin aus tierquälerischer Haltung vorstellig, dort wurde sie dann auch operiert. Noch während der OP überlegte mein TA, sie einzuschläfern, da sie mehrere Brüche hatte. Doch sie entschied anders und amputierte den Hinterlauf.

Dreieinhalb Wochen später lernte ich Primelchen kennen. Ihre Wunde war bereits gut verheilt, nur das Fell war noch nicht nachgewachsen. Als Neuling in der Kaninchenhaltung dachte ich damals kein bisschen nach, was mir ihre Behinderung bringen sollte, und das war auch gut so.

Bei der Zusammenführung mit Ossi war ich erstaunt, wie flink dieses Dreibein doch war. Einzig fiel mir auf, dass sie Probleme hatte, auf dem Po zu sitzen, sich zu putzen oder gar ihr Öhrchen zu kratzen. Sie tat mir schrecklich leid, wie sie mit imaginären Phantombewegungen ihr Öhrchen zu kratzen versuchte.

Aber sie liebte Ossi und er liebte sie. Es war unglaublich, ihre  Fortschritte zu beachten. Manchmal war ich regelrecht froh,   dass sie nur drei Beine hatte. Die beiden waren ein gutes Team, Primelchen hat viel von Ossi gelernt und er von ihr.

Da ich Parkettboden habe, mussten schnell Teppiche her, denn auf dem blanken glatten Boden zu hoppeln fiel ihr schwer. Einzig in höherem Tempo hatte sie keine Probleme auf dem blanken Boden. War sie müde, ließ sie sich einfach fallen und fläzte sich hin, wo auch immer sie sich gerade befand.

Das "Sich Putzen" klappte von Woche zu Woche besser. Primelchen hat ständig neue Methoden herausgefunden, sich zu putzen, teilweise legt sie sich einfach hin. So kann sie mit ihren Vorderbeichen ganz x-beliebig ihr Gesicht putzen wie es ihr gefällt. Wenn ihr Öhrchen juckt, reibt sie sich wie ein Bär am Teppich oder an ihrem Häuschen.

 

Besonders erstaunt war ich nach ungefähr drei Monaten, als ich sie plötzlich oben auf der Holzkiste liegen sah. Immerhin war diese Kiste 40 cm hoch! Vollkommen in Panik wollte ich sie retten, doch sie sprang einfach hinunter, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Die Holzkiste ist kein Thema mehr. Sie springt genauso leichtfüßig und sicher hinauf und hinunter wie ihr vierbeiniger Freund. Selbst einen Ersatz zu betteln hat sie sich einfallen lassen: Sie setzt sich auf ihren Po und hüpft leicht mit den Vorderläufen hoch. Ist sie besonders ungeduldig, dreht sie sich dabei auch noch im Kreis, und bekommt sie dann immer noch kein Leckerli, faucht sie. Primelchen muss auf ihr Gewicht achten, denn sie darf (um ihr Bein nicht unnötig zu belasten und um eventuelle Spätfolgen wie Wirbelsäulenschäden zu vermeiden) nicht zu schwer werden. Da aber Übergewicht ohnehin nicht gesund für Kaninchen ist, sollte dies selbstverständlich für uns sein. Alles in allem ist unser Primelchen ein lebensfrohes und vollwertiges Kaninchenmädchen wie alle anderen gesunden Kaninchendamen auch.

 

Traurige Kinderstube mit Happy-end

Ein Bericht von Uschi Apelt (uschi.a)

Vor zwei Wochen (Anfang August) bin ich im Kaninchenschutzforum auf eine Anzeige im Internet aufmerksam gemacht worden, in der ein Kaninchenbaby mit gelähmten Hinterläufen angeboten  wurde. Ich habe dort angerufen und erfahren, dass es schon verstorben sei, aber noch ein Weiteres vorhanden ist, dem ein Ohr und ein Bein fehlten. Kurz entschlossen fuhr ich mit Unterstützung des Kaninchenschutzes dorthin. Was wir vorfanden, war ein Riesenanwesen und eine junge "Hobbyzüchterin", der es, freundlich ausgedrückt, noch ein wenig an Erfahrung und Verantwortungsgefühl fehlte. Das Baby, um das es ging, war ca. zwei bis drei Wochen alt, milchverklebt von den Handaufzuchtversuchen und ziemlich apathisch. Die "Züchterin" erklärte, dass "irgendwer" wohl "irgendwie" ins Gehege gekommen sei und die Kleinen zerbissen haben muss. Über die verletzten Gliedmaßen sagte sie, dass diese zuerst "komisch gerochen" haben, dann aber irgendwie abgefallen seien (mehr brauche ich wohl nicht dazu zu sagen)! Auf jeden Fall fuhren wir mit diesem Baby und seinem Geschwisterchen heim!  Die "ach so besorgte Züchterin" gab uns die Winzlinge, ohne auch nur meinen Namen zu kennen...! Zuhause wurde erst das ganze Ausmaß der Verletzungen sichtbar. Nicht nur das eine Baby, sondern beide Tiere waren völlig zerbissen! Es ist mir heute noch ein Rätsel, wie sie dieses Martyrium überhaupt überleben konnten.


Man sieht hier das fehlende Vorder- pfötchen sehr gut. Die ersten Tage sah ich mit Angst in den Käfig in Erwartung, dass eines der beiden gestorben sei. Jetzt sind sie ca. vier Wochen alt! Sie haben beide vor nichts Angst und fitzen und hüpfen wie Gummibälle! Man merkt dem "Behinderten" absolut gar nichts von seiner Behinderung an!

 

Wichtig: Durch das Fehlen eines Beinchens kann es vorkommen, dass ein Tier sich nicht mehr ausreichens putzen/kratzen kann. Deswegen ist es empfehlenswert, in regelmässigen Abständen auch die Ohren kontrollieren zu lassen. 

Betreuung vor und nach einer OP

 

© 2006 Kaninchenforum.com

Letzte Aktualisierung ( 20. August 2009 14:28 )
 
< Zurück   Weiter >
Siehe auch...
Beliebteste Beiträge
Neuster Forenbeitrag