KANINCHEN mit den Augen des TIERZAHNARZTES
gesehen
ZOOLOGISCHE EINORDNUNG DES
KANINCHENS:
Ordnung LAGOMORPHA -
HASENTIERE mit
2 Familien: LEPORIDAE -
HASENARTIGE u. OCHOTONIDAE - PIKAS
LEPORIDAE mit 11 Gattungen und 44 Arten,
darunter
Gattung LEPUS -
HASEN

Gattung
ORYCTOLAGUS - KANINCHEN
OCHOTONIDAE mit 1 Gattung und 14 Arten Gattung
OCHONTA - PFEIFHASEN

ZÄHNE,
RICHTIGE FÜTTERUNG - DER ZUSAMMENHANG
Früher wurden
diese Tiere unter der Ordnung RODENTIA - NAGETIERE
geführt, aber Unterschiede in der Zahnformel ließen die Ordnung
LAGOMORPHA - HASENARTIGE entstehen.
HASENARTIGE besitzen 4 Schneidezähne im Oberkiefer - NAGER dort
nur 2 Schneidezähne - und zusätzliche Prämolaren (vordere
Backenzähne). Beiden Ordnungen fehlen Eckzähne.
Das KANINCHEN
hat kurz vor und nach der Geburt ein Milchgebiss mit 16
Zähnen:
| 2 x im Oberkiefer |
2 Schneidezähne |
0 Eckzähne |
3 Prämolaren |
0 Molaren |
| 2 x im Unterkiefer |
1 Schneidezahn |
0 Eckzähne |
2 Prämolaren |
0 Molaren. |
Im
Alter von 3 - 5 Wochen ist der Zahnwechsel erfolgt und das KANINCHEN
besitzt sein bleibendes Gebiss mit 28 Zähnen:
| 2 x im Oberkiefer |
2 Schneidezähne |
0 Eckzähne |
3 Prämolaren |
3 Molaren |
| 2 x im Unterkiefer |
1 Schneidezahn |
0 Eckzähne |
2 Prämolaren |
3 Molaren. |
 Ausdehnung der Zahnwurzeln im
Kaninchenschädel
Alle Zähne der HASENARTIGEN sind wurzeloffen und wachsen
ständig lebenslang. So wachsen z.B. die Schneidezähne im Oberkiefer
ca. 2.0mm pro Woche, die im Unterkiefer ca. 2.4mm pro Woche, wobei die
Wachstumsgeschwindigkeit im Alter zunimmt.
Im Gegensatz zu den NAGERN
liegen bei den KANINCHEN die unteren Schneidezähne, die zungenwärts
meißelartig abgeschrägt sind, in Ruhestellung hinter den oberen
Schneidezähnen auf den kleinen Schneidezähnen = Stiftzähnen.
Diese Stiftzähne sind rund und besitzen keine Schneidekante.
 Stellung der
Schneidezähne in Ruhestellung
Alle Schneidezähne sind von unpigmentiertem
Zahnschmelz (bei den meisten NAGERN dagegen gelb) umgeben, wobei dieser auf der
Lippenseite dicker ist als auf der zur Mundhöhle zugewandten Seite. Im
Schmelz der oberen Schneidezähne befindet sich lippenwärts mittig je
eine Längsfurche.
Da die Eckzähne fehlen, besteht zwischen
den Schneidezähnen und den Backenzähnen ein großer Freiraum
ohne Zähne, das sog. Diastema.
Molaren und Prämolaren sind
der Form nach nicht voneinander zu unterscheiden, und bilden funktionell eine
Einheit als Verband von Mahlzähnen. Auch diese wachsen lebenslang nach.
Bei artgerechter Fütterung (Heu und Gras) schleifen sich die
Zähne entsprechend ab und lassen an den Kauflächen scharfe
Schmelzkanten entstehen.
Normalerweise steht die
regelmäßige Abnutzung der Zähne in einem Gleichgewicht mit
einem dauerhaften Zahnwachstum!
Wird dieses Gleichgewicht durch
falsches Futter ( = vorwiegend z.B. Gurken, Möhren, getrocknetes Brot,
Körner oder Fertigfutter aus dem Handel), welches nicht lange und
ausdauernd genug gekaut wird, gestört, so kommt es zu ungenügender
Zahnabnutzung und daraus folgend zu Zahnüberlängen, zu Blockierungen
des Gebisses, zu scharfen Spitzen und Kanten, die in die Zunge, ins Zahnfleisch
oder die Wange einspießen und hier zu üblen Wunden führen
können. Bei den auf Kurzköpfigkeit gezüchteten
Zwergkaninchen sind häufiger schon erblich bedingte Zahnfehlstellungen
vorhanden, die durch falsche Futterzusammenstellung schnell zu großen
Zahnproblemen führen.
Gute und richtige
Fütterung:
Die Portionen bestehen überwiegend, bzw.
fast ausschließlich aus Heu aus einer Raufe. Das muss lange gekaut
werden, und fördert daher den gleichmäßigen Abrieb der
Zähne. Erst nach getaner Kauarbeit dürfen zur Ergänzung der
lebenswichtigen Vitamine Paprika, Möhren, Möhrengrün, Gras,
Obst, Blätter, Blüten oder Kräuter gegeben werden.
Fertigfutter aus der Zoohandlung (Körner und Pellets) sollte pro Tag
max. 1 gehäufter Teelöffel gegeben werden. Dieses Futter wird sehr
schnell verzehrt, nützt also nicht der Zahngesunderhaltung, versorgt das
Kaninchen aber mit Kohlehydraten, Fetten und Eiweißen. Auf Joghurtdrops
und ähnliche Leckerchen sollte wegen überflüssiger
Kalorienzufuhr verzichtet werden, denn sie schaden auf Dauer nur der
empfindlichen Darmflora und fördern häufig eine Blasenschlamm- und
Blasensteinbildung. !KÖRNERFUTTER!: Weizen, Roggen, Hafer,
Haferflocken, Mais und Maisprodukte stellen ein stärkereiches und
zellulosearmes Futter dar, das NICHT dem ernährungsphysiologischen Bedarf
des Kaninchens entspricht (!gilt auch für die Fütterung des
Meerschweinchens!). Weizen, Hafer und Maiskörner werden billig auf dem
Weltmarkt eingekauft, ansehnlich zubereitet und attraktiv verpackt, und als
Kaninchenfutter von der Futtermittelindustrie angeboten. Ob als
Fertigfutter oder aus offenem Futter selbst gemischt, ist es ein leicht zu
handhabendes vom Kaninchen gut akzeptiertes Futter. Aber, wie oben schon
angemerkt, kann es wegen der ungenügenden Kautätigkeit zu
Zahnproblemen kommen und weiterhin durch die überflüssige Stärke
zu Darmstörungen mit Fehlgärungen zur sog. Trommelsucht, und
führt auch sehr häufig zu übergewichtigen Tieren.
WAS KANN
DEN HALTER EINES ZWERGKANINCHENS AUF MÖGLICHE ZAHNPROBLEME SEINES
LIEBLINGS AUFMERKSAM MACHEN?
- Nahrungsverweigerung
das Tier erscheint nicht zur
Fütterung
- Verändertes Fressverhalten
das Tier frisst
langsamer, vorsichtiger, es werden Nahrungsmittel liegen gelassen, die
früher bevorzugt wurden
- Gewichtsabnahme
bei wöchentlicher
Gewichtskontrolle und 3 aufeinanderfolgenden Wägungen nimmt
kleines Tier mehr als 50g und größeres Tier mehr als 100g ab
- Feuchtigkeitsspuren an Mundwinkeln oder Kinn,
Speicheln
- Zähneknirschen
- Über
längere Zeit wechselhafte schlechte Futteraufnahme und
Durchfall
- Eine
Schwellung am Kopf oder an den Kiefern, Asymmetrien am
Kopf
-
Herausstehen eines Auges aus der Augenhöhle
- Schneidezähne komisch gedreht oder zu
lang
- Das Tier
putzt sich nicht richtig, das Fell sieht verwahrlost aus
und weißt
Verfilzungen auf
- Das Tier,
das immer gern Kopfkontakt zum Besitzer hatte,
verweigert die den Kopf
streichelnden Hände
- Tränende Augen
- Eitriger
Augen- und/oder Nasenausfluss
!Die Folgen von nicht erkannten Zahnproblemen beim Kaninchen
können schwerwiegend sein und sogar zum Tod des Tieres führen. Daher
suchen Sie bei oben angeführten Auffälligkeiten sofort Ihre
Tierärztin oder Ihren Tierarzt auf!
!Tiere, die schon einmal wegen
Zahnerkrankungen tierärztlich versorgt wurden, müssen
regelmäßig - spätestens alle 3 Monate - zu
Kontrolluntersuchungen dem Tierarzt vorgestellt werden!
Copyright Dr.
med. vet. Lazarz |