Narkose bei Nagern und anderen Kleintieren

Immer häufiger werden wir bei unseren kleinsten Patienten mit Krankheiten und dadurch bedingten Problemen konfrontiert, die eine Narkose notwendig machen. An diesem "Problem" scheitert es oft und dem Tier wird leider keine Möglichkeit geboten seine Lebenserwartung zu erhöhen.

Sehr oft meinen Nagetierbesitzer (und manchmal auch Tierärzte) man könne bei so kleinen Tieren wie Degus, Mäusen oder Hamstern keine Narkose durchführen und somit auch keine Operationen, Zahnkorrekturen, Kastrationen oder andere Eingriffe, zu denen eben eine Narkose erforderlich ist.

Prinzipiell unterscheidet man eine Vollnarkose und eine Sedierung.

Während der Vollnarkose befindet sich das Tier in einem künstlich erzeugten Tiefschlaf, in dem alle Muskeln entspannt sind und das Tier keine Schmerzen verspürt.

Bei einer Sedierung aber befindet sich das Tier in einem schlafähnlichen Zustand, bei dem das Tier (je nach Wahl des Mittels) nicht unbedingt schmerzfrei sein muß.

Den Zustand einer Vollnarkose kann man nun bei Nagetieren in Form einer Injektionsnarkose oder mittels einer Inhalationsnarkose herbeiführen.

Bei kleinen Hausgenossen sollte man aber auf eine Injektionsnarkose verzichten, da diese Mittel fast immer kreislaufdepressiv ist und die Nachschlafzeit (das ist jene Zeitspanne die verstreicht bis das Tier wieder vollkommen munter ist) sehr lange dauert. Da alle Nagetiere einen sehr schnellen Stoffwechsel haben ist dies von eindeutigem Nachteil und die Narkose sollte aus diesem Grund so kurz wie nur möglich halten werden. Außerdem muss man das entsprechende Mittel als Injektion verabreichen und kann es somit - wenn es einmal injiziert wurde - in seiner Stärke und Menge nicht mehr beeinflussen. Die dabei verwendeten Injektionsnarkotika werden zwar exakt auf das Gewicht des jeweiligen Patienten abgestimmt, jedoch kann es immer wieder zu Überreaktionen und damit verbundenen Problemen kommen.

1. Foto ansehen Bei der Inhalationsnarkose werden die Patienten mit einem Gas in einen Vollnarkosezustand versetzt. Dazu kann man sowohl Halothan ® als auch Isoflouran ® verwenden, wobei dem letzteren der Vorzug gegeben werden sollte. Das Narkosegas Halothan ® ist leider lebertoxisch, dass heisst die Abbauprodukte werden beim Tier über die Leber entsorgt und schädigen diese zu einem gewissen Grad. Isoflouran ® dagegen ist weder kreislaufdepressiv (belastet das Herz und den peripheren Kreislauf nicht) noch lebertoxisch. Somit ist es das Mittel der Wahl, außerdem wird es von allen Nagetieren und sämtlichen Exoten hervorragend vertragen und das Narkoserisiko sinkt extrem.

2. Foto ansehen Wenn nun ein Tier zu uns an die Klinik für eine Kastration oder eine andere Operation, bei dem eine Narkose benötigt wird, gebracht wird, dann bereiten wir es auf die Narkose vor. Das bedeutet, dass es etwa 30 Minuten vor Narkosebeginn noch eine Infusion mit einer Zuckerlösung erhält, danach kommt es in eine Narkosebox oder bekommt eine Atemmaske aufgesetzt (je nach Größe) und innerhalb weniger Sekunden schläft unser/e Patient/in tief und fest. Dabei liegt es während der gesamten Narkosezeit auf einer Heizmatte, damit es zu keiner Unterkühlung kommt.

3. Foto ansehen Während der gesamten Narkosedauer kann die Gaskonzentration und damit die Narkosetiefe der Atmung und dem Kreislauf des Tieres angepaßt werden. Somit kann es nie zuviel vom Narkosegas bekommen. Mit dem Ende der Operation wird die Zufuhr des Isoflouran ®- Sauerstoffgemisches unterbunden und der Patient/in ist innerhalb weniger Minuten wieder munter. In dieser Aufwachphase befindet sich das Tier immer noch in einer Thermobox, um keine Unterkühlung zu provozieren. Außerdem bekommt es nach der Operation auch noch einmal eine Zuckerlösung. Nach einer Beobachtungszeit von 30-60 Minuten kann der/die Patient/in wieder mit nach Hause genommen werden. Man kann also sowohl bei Nagern bis hin zu kleinsten Patienten (wie Mäuse) ohne größeres Risiko und ohne größere Probleme eine Narkose und damit auch größere Eingriffe durchführen. Wichtig ist dabei nur, dass die Abstimmung stimmt und das ideale Narkosegas im Rahmen einer Inhalationsnarkose verwendet wird.

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